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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 248

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 248 (sequence 5)
Language
German
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248 König zu verunglimpfen? Wollte er ihn überhaupt in den Staub zerren (S. 25)? Gewiß nicht! Die Diatribe wiederholt die Schimpfreden der Gnostiker gegep David und seinen Sohn, die wir noch׳ in den Resten gnostischer Schriften lesen können. Der Erstere wird wegen Mord und Unzucht, der letztere wegen Vielweiberei — zwei der größten Kardinalsünden in den Augen Markions -ian den Pranger gestellt. Die fanatischen Pazifisten und die Feinde jedes Geschlechtslebens konnten sich nicht genug entrüsten, um’ ihrem Widerwillen gegen diese Vergehungen der biblischen Persönlichkeiten freien Ausdruck zu geben. Der Gnostiker Schimpfreden wurden von Juden, von gelehrten wie ungelehrten, stets nacherzählt. Prediger zitierten dieselben, manchmal mit Varianten, manchmal drastisch, um sie zu bestreiten, soweit es nur anging. ]Dieser Quelle entstammen die angeblich hasm. und antihasm. Lieder, hasm.- freundliche und -feindliche Wutausbrüche. Es ist gewiß wahrheitsgemäß und dem geschichtlichen Verlauf entsprechender, als Hintergrund dieser Agadoth gnostische Bewegungen zu denken, als Parteipolitik der Hasmonäer hineinzulesen oder zu deuten. Die Davidische Politik und die Dynastietreiberei ist nichts mehr als eine unbegründete Hypothese, für die in und aus der Agada absolut keine Stütze zu finden oder zu holen ist. Daß es Parteien oder Ansichten gegeben hat, die Salomon des ewigen Lebens verlustig erklären wollten, kann man sich auch ohne Hasmonäerpolitik sehr gut denken, wie es auch gewiß führende Elemente unter den Schriftgelehrten gegeben hat, die alle an seinen Namen knüpfende Schriften in der Bibel aus dem Kanon streichen oder die Aufnahme in denselben verweigern wollten, aber nicht aus politischen, sondern aus rein religiösen Gründen. Diese Elemente waren sadduzäisch gesinnt. Die Autorität zur Zeit war in ihren Händen (S. 26). Ja, w7ir hörten 'doch vorher, daß die Sadduzäer Antihasmonäer waren; warum gingen sie• gegen Salomon los? Warum sollte die Beschuldigung gegen Hyrkans Mutter eine Dichtung sein? Davids Abstammung war allen aus der Schrift wohlbekannt. Die Behandlung des Gegenstandes war wuchtig für jeden Bibelleser ohne Unterschied der Partei. Verf. versucht, den nichtagadischen Ursprung der Agadoth über Davids und Phinchas Abstammung parteipolitisch zu beweisen. Amoräer des ausgehenden dritten Jahrhunderts sollen kleinliche hasmonaische Beschimpfungen und törichte vulgäre Besudelungen der Antihasmonäer auf die Kanzel getragen haben? Wozu? Das vierte Kapitel bespricht die Angriffe auf die Legitimität Davids. In erster Reihe möchte ich um konkrete Daten bitten, wer und wo die Rivalen der Hasmonäer oder die Kronprätendenten waren. Zweimal wurde die Illegitimität Davids beschlossen, und zwar zur Zeit des Johanns Hyrkan und des Alexanders. Abner, der Pharisäer und Doeg, der Sadduzäer, debattieren darüber. Wer an diese ganze oder teilweise antidavidische Parteipolitik glaubt, der wird mit Vergnügen in dieser Agada des dritten Jahrhunderts eine erfreuliehe Bestätigung dafür finden. Es wäre wichtig für die Geschichte der Amidah festzustellen (S. 46—47), ob die Benediktionen 12 und 13 wirklich Spuren der Hasmonäerzeit verraten. M. E. ist dies nicht der Fall. Ich kann nicht eim sehen, warum das Gebet für aufrichtige Proselyten auch einen Protest gegen die Hasmonäer enthalten soll. Uebrigens haben wir keinen Anhaltspunkt für den Wortlaut der Amidah, wie er vor 2000 Jahren aussah. In K. 5 gibt der Verf. eine Fülle von Agadoth, aus denen er pariamentarische Debatten zwischen Hasmonäern und Antihasmonäern, Legitimisten und Gegenwartsmonarchisten, zwischen Republikanern und Royalisten entdeckt. Das Material zur Rekonstruktion dieser Rede ist der Agada sowohl der tannaitischen wie der amoräischen Periode entlehnt. Die Fragen, die an und für sich so naiv klingen und sich ruhig anhören, sind nach A. tatsächlich höchst gefährliche politische Reden, z. B. ob die Israeliten überhaupt berechtigt waren, einen König zu verlangen, ob der Stab Aharons oder der Mosis blühete, wie lange Moses das Priestertum verwaltete, wer die zwei hebräischen Hebammen in Aegypten waren und welchen Lohn sie für ihre Tätigkeit von Gott erhalten haben, ob die Hasmonäer gute oder böse Menschen waren, die das Unglück des Volkes verschuldeten, die Stellung Davids und Salomons im Fastengebete, Elijah und David in der Haftarah benediktion etc. Man wird aus dieser Liste entnehmen, daß Aptowitzer als gründlicher Agadaforscher mit ganz bewunderns־werter Meisterschaft wichtiges Material zusammengehäuft hat, wofür man ihm Anerkennung nicht verweigern kann und darf. Allein alle diese Fragen haben mit der angeblichen Parteipolitik nicht das Geringste

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