Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 3)
- Language
- German
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246 werden, denn dieser Fehler zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch, wie wir noch zeigen werden. Hier nur noch soviel, daß es im 2. und 3. Jahrhundert Kreise (auch unter Juden) gegeben hat, die an biblischen Personen eine Kritik übten, die die Grenzen des Erlaubten und des Anstands überschritt. Aharon und David waren besonders die Zielscheibe des Angriffs, es ist deshalb gar kein Wunder, daß beide in der Apologetik wie im Angriff einen Löwenanteil haben. Die Agadoth haben aber nicht’ im geringsten mit der angeblichen Parteipolitik etwas zu tun. Das zweite Kapitel spricht über das Königtum der Hasmonäer. Hier dürfte Yerf. einiges richtig erkannt haben, so z. B. daß Johann Hyrkan der erste hasmonäische König war und daß die Barajta nicht auf Alexander paßte. Auszusetzen ist nurseine Behandlung des Josephus und der agadischen Stellen über die dasselbe gilt, was wir zum ersten Kapitel bemerkten. Wo es in seine Theorie paßt, akzeptiert er Josephus, — wo nicht, verwirft er ihn. Warum das Volk so wild gegen das hasm. Kgtum gewesen sein soll und warum die pharisäische Beschuldigung nicht wahr gewesen sein kann, kann ich nicht einsehen. Die Gestaltung der Parteien ist wohl möglich, aber nicht erwiesen. Die Folge davon war eine Neugestaltung der Parteien. Die existierten doch von Anfang an? Diese neue Parteipolitik wird im dritten Kapitel unter dem Titel :Die Sünden derVäter, besprochen und geschildert. Welche Beweise hat der Verf. für diese neue Spaltung und für ihren Einfluß auf die Agada? Zuerst wird das Testament Reubens angeführt. Diese Schrift spricht von einer Rebellion unter den Brüdern gegen Levi. Nicht nur Levi und Jehuda waren zur Führung und Herrschaft bestimmt und auserwählt, sondern auch Dan, Joseph und Reuben. Yerf. findet im Texte Widersprüche, die als Interpoiation beseitigt werden. Zur Lösung dieses neuen Rätsels wird eine Agada des R. Jehuda ben Ilai herbeigebracht, die aber keineswegs, wie der simple Agadaerklärer meint, eine rein agadische Dichtung sein kann, sondern ein politisches Lied der Hasmonäer ist (S. 20). Welches Interesse der Lehrer in Uscha hatte, politische Lieder der Hasmonäer zu singen, kann wohl auch Verf. nicht sagen. Ist es möglich, eine Verbinduhgsbrücke zwischen R. Jehuda und den Zeitgenossen der Hasmonäer zu bauen? Wie ist das literarische Verhältnis zwischen Testamenten und Tannaiten denkbar? Ist es nicht vielmehr ratsamer anzunehmen, daß R. Jehuda in seiner agadischen Dichtung — und eine gewisse Originalität kann man doch auch diesem Lehrer nicht ableugnen — durch zeitgenössische, politische Bestrebungen intellektueller und religiöser Bewegungen seiner Umgebung veranlaßt worden ist? R. Jehuda dichtet einen Dialog zwischen Gott und Moses. Eine agadische Form, wie sie in der rabbinisehen Diatribe gang und gäbe ist. Ob sie von außen in die Lehrhallen Galileas gedrungen ist, wollen wir hier nicht erörtern, ebensowenig wie die Frage, ob R. Jehuda die Testamente gekannt hatte oder nicht. Eins steht jedoch fest, daß sich die Agada nur auf das Priestertum Levis bezieht. Warum sollte R. Jehuda hasmonäerfeindlich oder -freundlich sßin? Welches Interesse hatte er daran, die längst vergessenen Has. zu loben oder zu rügen und zu tadeln? Davon ist im Texte keine Spur vorhanden. Nicht nur Hasmonäer und ihre Parteigänger, sondern jeder Bibelleser wußte von den Sünden der Stammväter und der Sonderstellung des Stammes Levi. Ob die. Bibel schon Hasmonäerpolitik getrieben hat? Nun findet Verf. in einer andern Agada, die aber auch dem R. Jehuda b. Ilai zugeschrieben wird und in Wirklichkeit eine Fortsetzung der ersteren Legende bildete, antihasmonäische Tendenz. Ist eine solche Exegese wirklich möglich? Eine solche Geschichtskonstruktion überhaupt denkbar? Warum wechselte derselbe Lehrerseine Farbe? Heute hasmonäisch, morgen antihasmonäisch! Warum? Und wen interessierte diese Parteipolitik in der Periode nach Bar Kochba? Verf. fühlt diese Schwierigkeit, wenn er uns beschwichtigt: Es braucht nicht bewiesen zu werden (w a r u m nicht?), daß diese Ausführung nicht R. Jehuda und R. Nehmeja zu Urhebern haben kann (S. 21). Damit kann man diese Sache nicht erledigen, das wird jeder kritische und ehrliche Leser zugeben müssen, der nicht auf Parteipolitik eingeschworen ist. Wie denkt man sich eigentlich die Kontroversen dieser Tannaiten? Mit Schlagworten von radikalen, impulsiven Politikern, Tochter des Rechts, Enkelin der Ethik usw. kann man die ganze Agada und Halacha auf den Kopf stellen. Es ist schwierig genug mit anonymen Agadoth and Halachoth, wo eine chronologische Fixierung notwendig und nützlich wäre; darf man aber die mit Autorennamen versehenen Lehren wie Figuren