Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 2)
- Language
- German
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245;nach der anderen ja. Inwiefern die eine oder die andere Anschauung die arigebliche Partei politik der Hasmonäer stärken oder irgendwie schwächen konnte, ist nicht einzusehen. Wenn einmal das Gesetz und der Gebrauch vorschreibt, daß die Hpr. ( Hohenpriester) keiner.neuen Salbung bedurften, so ist ihre Legitimität damit weder geringer, noch größer. Es handelt sich hier um eine rein exegetische Frage, wie wir deren unzählige in Halacha und Agada vorfinden. Wenden wir uns nun zum Kgs. Die Mischna kennt den Kgs., Sota 8, 1, Tos. Sota 17 ,ל ed‘Zuckermandl 308. R. Jeliuda b. Hai, Sifre Dt. §193. Aus Sifre Num. § 157 will Verf. schließen, daß dem SN. diese Institution gar nicht bekannt gewesen sei und der Kgs. keine allgemein anerkannte Institution war. Ist ein solcher Schluß berechtigt? Die Sifre-Stelle lag den Amoräern vor, wie aus R. Sota 43a zu־ ersehen ist, wo, wie der Zusammenhang lehrt, vom Kgs. die Rede ist. Der Kgs. selbst ist kein Rätsel, und auch die Bestimmungen über ihn sind keine Rätsel. Es handelt sich um zwei einander widersprechende Anschauungen. Nach der einen ist der Kgs. ein ganz besonders hierfür bestellter Priester, nach der zweiten könnte auch der Hpr. als Kgs. fungieren. Wie dem auch sei, ist es unerwiesen, daß diese Frage irgendwie mit Parteipolitik in Verbindung gewesen sei. Die Texte gehen nicht den geringsten Anhaltspunkt hierfür. Drittens wird das Priestertum des Pinchas besprochen. Wann wurde Pinchas zum Priester geweiht? Hier werden auch eine Menge Rätsel aufgedeckt. Ihre Lösung soll die Parteipolitik der Hasmonäerzeit geben. Den einzigen Beweis für letztere liefert die entschieden feindselige Stimmung des II Makk.-Buches gegen Jonatan und Simon. Der Grund der Unzufriedenheit lag in der Hohenpriesterwürde der Makkabäer. Männer, die so viele Jahre auf dem Schlachtfelde zugebracht haben, seien dieses Amtes nicht würdig. Darüber steht allerdings keine Silbe in den Quellen. Ist es denkbar, daß die Bevölkerung nach all־ diesen Errungenschaften und Siegen so pazifistisch gedacht haben sollte? Das wäre undankbar und widernatürlich. Die Geschichte lehrt das Gegenteil.׳ Siegreiche Generäle, selbst, wenn sie grausame Teufel gewesen sind, werden verherrlicht, geschlagene Feldherren, selbst wenn sie wirkliche Heilige gewesen wären, werden verdämmt. Ob die Makkabäerfeldzüge wirkliche heilige Kriege waren, wie wir glauben, oder gewöhnliche Schlachten um Brot und Land; wie alle Weltkriege, keineswegs wird man die vom Schlachtfelde siegreich heimkehrenden Makkabäer als blutbefleckt des Hohenpriestertums unwürdig betrachtet haben. Die ,,militärischen“ Hasmonäer waren doch noch immer besser als die Hpr. der vorhasmonäischen Zeit. Auf diesem sandigen Boden entwickelt nun der'Verf. Dialoge zwischen beiden angeblichen Parteien, wobei die agadische Biographie Davids, Pinchas’, Aharons in diesem langen Wortgefecht als Material dienen. Der ganze weithergeholte Dialog mit der falschen Geschichtskonstruktioh leidet an mehreren Mängeln. Die Voraussetzungen entbehren jeder geschiehtliehen Grundlage. Welche Spur ist von dem Proteste des Volkes oder der Führer gegen das Hohepriestertum der Hasmonäer in den Quellen zu lesen? Aber angenommen, daß es eine heftige Fehde einst zwischen Hasmonäern und Antihasmonäern gegeben hätte, welches Interesse hatten die Lehret der Halacha und Agada, den alten Staub aufzuwühlen? Der kleinste Schmerz dieser Männer war, was die Zeitgenossen der Hasmonäer dachten. Sie hatten genug zu schaffen mit ihren eigenen Problemen politischer und religiöser Art. Wie sollten sich auch die angeblichen Schimpfreden und politischen Intriguen bis ins IV. Jahrhundert hinein erhalten haben? Kann Verf. uns den Weg dieser Ueberlieferung zeichnen? Nein, Die agadischen Biographen der biblischen Persönlichkeiten kümmerten sich ebensowenig um hasmon. und antihasmon. Partei politik, wie die Hasmonäer sich um die Biographien der biblischen־ Persönlicnkeiten scherten. Es wäre ein Verdienst der Agadaforschung, diese Biographien zu sammeln, z. B. die agadischen Stellen über Ruth, Rahab, Doeg und Ahithophel zusammenzustellen, aber nicht im Lichte einer unmöglichen Parteipolitik, sondern des Zeitalters der Lehrer oder Prediger, deren Worte analysiert oder erläutert werden sollen. Tatsächlich müssen die Sätze, die Verf. in den Mund von Hasmonäern und Antihasmonäern stopft, im Lichte des Zeitalters gesehen beleuchtet werden, in dem diese Lehrer lebten, aber nicht als Ansichten, Parteilieder, Parteireden, Kluborakel etc. die 300 bis 400 Jahre älter sind oder besser, gewesen sein sollen. Dies muß ausdrücklich betont