Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neue Forschungen über die Beziehungen Israels zu Ägypten [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829959-2829963-2835365--49086-2835451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
241 müssen wir seine Auseinandersetzungen und Schlüsse, die er, ausgehend von den Worten (Ex 223) ויהי בימים הרבים ההם, in bezug auf die ,,Einleitungsformeln in Erzählungen“ (S. 68) vorbringt, vollinhaltlich anerkennen und ihm zustimmen, daß diese Formel, die der — ägyptische Erzählungen — einleitenden Formel hr ir.m ht hrw knw hr h nn vollkommen entspricht, ,,für keine andere Periode der ägyptischen Erzählungsliteratur so charakteristisch ist, wie für die erste Zeit zu Beginn des Neuen Reiches, also um die ägyptische Epoche Israels“. Das gleiche gilt von der (S. 80) zu 1מאז היתה לג (Ex 924) gemachten Bemerkungen, wie auch von dem (S. 83) ,,die Urväter der Könige“ betitelten Paragraphen. Sehr beachtenswert sind da die das immer energischer werdende Auftreten Mosis dem Pharao gegenüber charakterisierenden Bemerkungen. Nun ist es wohl wahr, daß jeder einzelne der in dem uns vorliegenden Buche in Erwägung gezogenen Punkte unser Interesse wachzurufen vermag, auch dort, wo die Auseinandersetzungen des Verfassers unsere Zustimmung nicht zu finden vermögen. Es würde jedoch zu weit führen und den Rahmen einer Besprechung weit überschreiten, wenn wir uns mit jedem der hier erörterten Probleme beschäftigen wollten. Zwei derselben müssen wir aber noch zur Sprache bringen, weil sie nicht allein das Gebiet der Bibelkritik und das der Sprachwissenschaft berühren, sondern auch das der allgemeinen Kulturgeschichte. Der Verfasser will in Gen 822 Anspielungen auf Jahreszeiten finden, die insbesondere durch קר u. חם ausgedrückt sind ünd in denen ,,die zwei ägyptischen Jahreszeiten Winter und Sommer“ gemeint sein sollen; ורע u. קציר, sowie r? u. חרף sollen auch auf ,,zwei antithetische Bezeichnungen für zwei Jahreshälften“ Bezug haben, die aber nicht mehr für Aegypten, sondern ,,für alle übrigen Länder“ der Erde gelten sollen. Vor allem aber finden wir einen Widerspruch mit der im darauffolgenden Abschnitt bezüglich der Sintflut zum Ausdruck gebrachten Ansicht des Verfassers. Hier bringt der Verfasser — wie er auch sonst in der ganzen Darstellung des Genesisu. Exodusbuches nur ägyptische Elemente sieht — ,,die Vorstellung der Sintflut als Ueberschwemmung in der biblischen Sage als von Aegypten übernommen“ zum Ausdruck, da seiner Ansicht nach die wichtigsten Daten der Sintflut mit denen der Nilschwelle übereinstimmen. Ist aber dies der Fall, wie sollte dann Gen 822 nicht nur für Aegypten, sondern (vgl. S. 210, Z. 23) ״für alle übrigen Länder“ gelten und (vgl. Z. 14) ,,auf die ganze Erde“ Bezug haben? ׳Meiner Meinung nach liegen hier (Gen 822) gar nicht Anspielungen auf besondere J ahreszeiten vor, sondern nachdem es heißt: לא אסף לקלל צוד את־האדמה בעבור האדם... ולא אסף עוד להכות את־כל״חי כאשרעשייתי daß also eine derartige Katastrophe, wie sie durch die Sintflut hervorgebracht ward, nie mehr sein sollte, wird einfach hervorgehoben, daß die durch die Natur gegebenen Gegensätze, wie *קר וחם *זרע וקציר קיץ וחרף, sowie יום ולילה nie mehr aufhören sollen, daß also in Zukunft, auch wenn die Menschheit noch so verderbt sein sollte, alles Leben in der Natur sowie die dieses Leben bedingenden Naturerscheinungen fortbestehen sollen. Denn die Verderbtheit der Menschen Monatsschrift, 73. Jahrgang, 16