Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die mandäische Religion und das Judentum
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 21)
- Language
- German
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231 däischen Bleitafel heißt der Vater der Dämonen Bizbät (Lidzbarski, Joh. II 193). Dieser Name, den die Mandäer auch dem Vater Mohammeds beigelegt haben (Ginzä. S. 20), ist pers. bazah-bät ,,Sündenherr“, vgl. neupers. b a z a h, mittelpers. b a c a k ,,Sünde“. Das i in der ersten Silbe steht häufig für ursprüngliches ä (e), vgl. mand. Bihräm (= mittelpers. Bahräm), Hibil (= Hebel). Wenn ich zwar Peterson zustimme, daß der Mandäismus in Babylonien entstanden ist, so erscheint mir dagegen seine Vermutung, daß der Mandäismus frühestens im 5. Jhdt. n. Chr. oder sogar erst im 8. Jhdt. aufgekommen sei, schwerlich richtig. Wir haben dargelegt, daß die mandäische Religion bereits vor Bestand des oströmischen Reiches existiert hat, und zwar zu einer Zeit, als im orientalischen Christentum noch der Sabbat gefeiert wurde und es noch judenchristliche Sekten gegeben hat und daß sie sich frühestens um die Mitte des 2. Jhdts. entwickelt hat. Deshalb trägt der mand. Heiland rein judenchristliche Züge. Schon im 3. Jhdt. muß die mandäische Religion existiert haben, da der Manichäismus man che Vor- Stellungen aus ihr genommen hat, worauf ich in Oriens Christianus Band 3. Serie I S. 268 ff. bei der Behandlung der manichäischen Zarathustra- Hymne M 7 hingewiesen habe. Die mandäischen Termini ,,Herr der Größe“, ,,Lebendige“, ,,Lichtkönig“, ,,Söhne des Heils“, ,,Söhne der Rechten“, ,,Sohn der Gewaltigen“, ,,Kranz des Lichtes“, ,,Kranz der Reinheit“ kehren im Manichäismus wieder1. Die mandäische Bezeichnung des Gläubigen als eine ,,Weinrebe“ kommt auch in dem chinesisch-manichäischen Preislied auf Jesus vor, in welchem der Gläubige spricht: ,,Und ich bin, o großer Heiliger, eine W e i n r e b e, die ursprünglich in einen reinen Park, den Garten des Gesetzes gepflanzt war“ (Waldschmidt u. Lentz, Die Stellung Jesu, S. 109). Die älteste Schicht der anfänglich noch einfachen mandäischen Religionsform, der ursprünglich das ,,Mysterium“2 mangelt, läßt sich also aus der oft verwirrenden Fülle des in den späteren Jahrhunderten angehäuften synkretistischen Stoffes auf dem Wege historischer Betrachtung erschließen. Das Mandäertum ist vom Judenchristentum hergekommen; es hat, nachdem es ihm den Rücken gekehrt hat, mit Schärfe das Judenchristentum und später auch das offizielle Christentum bekämpft3. Judenchristentum und Judentum gelten ihm 1 Vgl. auch Brandt, Mandäische Schriften, 224 ff. 2 Der Begriff ,,Mysterium“ kommt zuerst im dritten Buche der Ginzä 1vor. , 3 In ihrem Haß haben sie sogar dem Christentum den Ritualmord an־ gedichtet: ,,Sie töten einen Judenknaben, nehmen von seinem Blut, backen es in Brot und reichen es als Speise“ (Ginzä S. 226). Im 2. und 3. Jhdt. haben ursprünglich die Römer den Christen den Vorwurf gemacht, daß sie um die Osterzeit zur Messe Kinder schlachteten, was die Kirchenväter wie Justin (Apol. I 35; II 12) und Tertullian (Apol. c. VII f.) zu widerlegen suchten. Ganz ähnliche Anklagen erheben die Chinesen gegen die Christen; sie behaupten, Christen schleppen Chinesenkinder fort und töten sie zu rituellen ־Zwecken (Globus Bd. 62, 238; Hübner, Promenade autour du monde, Paris 183ל, II 385 ff.). Auch die Eingeborenen von Madagaskar glauben, daß die unter ihnen lebenden Christen einheimische Kinder zu dem Zwecke kauften, um sie zu töten und deren Herz zu verzehren (Temps von 1. Febr. u. 25. März 1892). Wir sehen, wie hier unabhängig voneinander in verschiedenen Gegenden; und zu verschiedenen Zeiten gleiche abergläubische Vorstellungen in bezug auf eine verhaßte andersgläubige Religionsgemeinschaft entstehen können.