Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die mandäische Religion und das Judentum
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 20)
- Language
- German
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230 jüdischen Exilarchen die Strafgerichtsbarkeit ruhte1. Die Verhängung von Geißelhieben durch die jüdische Gerichtsbarkeit kam dort häufig vor (Nidda 20b). Es ist nun anzunehmen, daß die babylonischen Juden judenchristliche Sekten als Ketzer betrachteten und sie daher in ihrer Mitte zu unterdrücken suchten2. Uebrigens könnte die evangelische Geschichte von der Verfolgung der ersten judenchristliehen Gemeinde in Jerusalem einfach mandäisch umgestaltet worden sein. Lidzbarski hat nun vermutet, daß die mandäische Religion in Palästina in der Nähe des Jordans ihren Ursprung gehabt habe, worauf schon der Umstand hinweise, daß 2 Hauptbegriffe der mandäischen Religion wie״כושטא Wahrheit, Religion" ״ מאנדא^םWissen" aus dem Westaramäischen stammen (Joh. Einl. XVI). Aber schon Peterson, Theol. Blätter 1928, 317 wendet mit Recht dagegen ein: ,,Wohnen denn nicht gerade die mesopotamischen Mandäer in unmittelbarer Nähe der Judenschaft von Babylonien und Mesene? Wäre es nicht möglich, daß ihnen von daher die westsemitischen Bestandteile ihrer religiösen Terminologie zugeströmt wären?" Alte aus dem 4. Jhdt. stammende mandäische Bleitafeln sind nicht etwa in Palästina, sondern in Babylonien gefunden worden. Wenn die Mandäer alles fließende Wasser ,,Jordan" nennen, so vermutet Lidzbarski, daß ursprünglich den Mandäern der Jordan, an dem sie wohnten, als hl. Fluß gegolten habe. Aber auch diese Annahme wird durch Petersons Bemerkung hinfällig: ,,Warum wird denn dieser metaphorische Sprachgebrauch für alles Taufwasser -— also nicht allein für den Ersatz des Jordan durch den einen Euphrat-Fluß — verwendet? Ist es denn nicht viel naheliegender, anzunehmen, daß dieser metaphorische Sprachgebrauch, der auf alles Taufwasser geht, von den Christen entlehnt worden ist, bei denen er sich in gleichem Sinne oft — ich erinnere nur an die nestorianische Taufliturgie der Syrer — nachweisen läßt?" Nach Lidzbarski deuten aber auch der mandäische Demiurg Patähil und der Genius Nabät (bzw. Nibät Joh. 16 A.) darauf hin, daß der Mandäismus im Westen entstanden wäre, denn ersterer sei mit dem ägyptischen Gott Ptah, und letzterer mit dem sonst nicht bezeugten Genius des nabatäischen Volkes identisch. Doch auch diese Vermutung ist unhaltbar. Neben Patähil ist auch eine Gottheit Patähai belegt, der zusammen mit Ösarhai erwähnt wird. Letzterer Name belehrt uns, daß Patähil in Patä־hil zu zerlegen ist wie Patähai in Patä-hai. In Patä scheint die aram.פתא/ן ,,sich ausweiten, weit, sein", SW1& ,,Weite" zu stecken. Patähil, der ja den Himmel ausgebreitet hat, bedeutet wohl ״Kraft der Ausweitung". Der mandäische Genius Nabät (bzw. Nibät), der im 14. Buche neben Yäwar vorkommt, könnte ebenso wie letzteres Wort iranisch sein, es würde einem mittelpersischen nabät (bzw. napät) ,,Schutz" (altiran. n i p ä t i) entsprechen, vgl. awest. n i - p ä ,,beschützen", n i p ä t a r ,,Beschützer". Das 2. Glied dieses Wortes - b ä t kommt auch in einem anderen iranischen Lehnworte vor. Auf einer man- 1Revue des Et. J. VIII 122. % Vgl. auch Peterson, Ztschr. f. Ntk Wiss, 1926, 245.