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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 229

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 4
Article
Die mandäische Religion und das Judentum
Date
1929-01-01
Page
Seite 229 (sequence 19)
Language
German
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229 funden, worauf auch die im Bundahi§n 5, 1 enthaltene Angabe hinweist, daß die Planeten ursprünglich Dämonen gewesen wären, die erst nachträglich Ohrmazd unter seine Herrschaft gezwungen hätte. Auf die Entstehung der mandäischen Religion in Babylonien weist die Bekanntschaft der 7 babylonischen Planetennamen hin (S. 28). Die babylonische Astrologie bildet einen festen Bestandteil der mandäischen Religion: ,,Planeten und Tierkreisbilder leiten das Geschick der Menschen'' (Ginzä S. 13). Ebenso wie in der babylonischen Religion (vgl. J. Kroll a. a. O. 207) sind hier unter Auslassung von Sonne und Mond 5 Planeten zu einer Einheit zusammengefaßt worden. Iranisch ist wiederum die mandäische Auffassung (Ginzä S. 281), daß vom Norden her ,,Hagel und Zorn" kommt (vgl. Scheftelowitz, Altpers. Rel. u. d. Judent. 59)1, ferner der Glaube, daß erst mit dem 15. Lebensjahre das Kind für seine Handlungen von Gott zur Rechenschaft gezogen werde (Ginzä 298, F. Spiegel, Arische Periode 237), Auch die zahlreichen iranischen Lehnwörter machen den Ursprung der mandäischen Religion auf persischem Gebiete wahrscheinlich. Der iranische Ausdruck für Dämon (d a i v a) ist im Mandäischen ein geläufiges Wort. Iranisch sind die Engelnamen Bihräm (= pers. Bahräm), J ä w a r (= pers. y ä w a r, Helfer), Sämändär-ei (Joh. S. 10) mittelpers. * sämändär, Bestimmet• .(ygl. mp. (sämän), wovon armenisch sahmandrem, ich richte ein, bestimme, abgeleitet ist. Ebenso sind der Dämoneniiame A t a r p ä n und der Name des Schriftgelehrten Dinänüxt echt iranisch. Die altmandäischen Zaubertafeln enthalten zahlreiche iranische Namen von Personen, aus denen sogar hervorgeht, daß einzelne Mandäer ursprünglich der iranischen Religion angehört hatten (vgl. Pognon, Inscr. Mand. I 102, Scheftelowitz, ,,Entstehung der manichäischen Religion" S. 2, A. I)2). Nach Reitzenstein, Mand. Buch S. 33, könnte aber schon deshalb nicht Babylonien als Ursprungsland des Mandäismus in Betracht kommen, weil in Ginzä S. 341 und 343 von der Verfolgung der Mandäer durch die Juden die Rede sei; da die Juden dort nur geduldet und ohnmächtig gewesen wären, hätten sie dort nicht gewagt, sie zu verfolgen. Allein man bedenke, daß die Juden unter den Sasaniden eine eigene Gerichtsbarkeit besaßen, daß ferner in den Händen des 1 Diese Auffassung steht im Widerspruch zu der älteren, daß der Norden der Wohnsitz der Himmlischen ist. Die Mandäer glauben ferner an den Engel Pfau, der als himmlischer Wächter an das Ende der Welt gesetzt ist. Die Vergöttlichung des Pfaus findet sich gerade in iranischen Gegenden. Bei den Kurden in der Gegend von Mosul existiert der Mäläk Taus ״Engel Pfau“, der den Tagesengeln vorgesetzt ist, an allen Vorfällen teilnimmt und die gläubigen Menschen in das ewige Leben einführt. Nach H. F. J. Junker, Wörter und Sachen 1929, 136 f. hat sich dieser Glaube aus dem jungen Zarvanismus entwickelt. 2 Daß mancher Andersgläubiger zum Mandäismus übergetreten ist, geht aus Joh., S. 107 hervor: ,,Ein Falschgläubiger (Zandiq), der vom Berge, herabgestiegen, die Zauberei und Hexerei verließ und sich zum gewaltigen Leben (= Mandäismus) bekannte.“ In einem hebräisch-persischen Wörterbuch aus dem 14. Jahrhundert kommt dieses iranische Lehnwort זנדיק ebenfalls in der ursprünglichen Bedeutung ״Ketzer“ vor (vgl. W. Bacher, Ein hebräisch-pers. Wtb., Straßburg 1900, 15). Daher darf man nicht in mittelpers. Zandiq ohne weiteres den Manichäer sehen. :

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