Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 4
Article
Die mandäische Religion und das Judentum
Date
1929-01-01
Page
Seite 228 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2829132-2829959-2829963-2835362--49070-2835438
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

228 seiner Beschneidung ein Tauchbad im fließenden Wasser nehmen mußte. Es war ein Mittel zur Erlangung der levitischen Reinheit, denn sowohl Menschen, die die vorgeschriebenen Reinheitsgesetze außer acht gelassen hatten, als auch Gegenstände, die von Heiden herrührten, galten für unrein (vgl. Scheftelowitz, Arch. Rel. Wiss. XVII, 366 f.). Gerade judenchristliche Sekten waren eifrige Baptisten (vergl. W. Brandt, Die jüdischen Baptismen 1910, 90 ff., 57 ff.). Wenn in A (S. 25, vgl. 43) der von den Mandäern verworfene, einzige Gott der Juden, Adonai1 und der Sonnengott (Sami§) für eine und dieselbe Gottheit angesehen werden, so könnte man vermuten, daß die Mandäer, bevor sie dem Judenchristentum angehört hatten, die Sonne als höchsten Gott verehrt hatten, den sie dann, nachdem sie sich dem Judenchristentum angeschlossen hatten, mit der Sonne identifiziert hatten. Aehnlich hatten im 3. Jhdt. die nach Indien vorgedrungenen zarathustrischen Saken, nachdem sie sich dem Kult der Sonnen״ gottheit zugewandt hatten, Ohrmazd mit der Sonne gleichgesetzt. Gerade seit der Mitte des 2. Jhdts. hatte sich der Kult orientalischer Sonnengötter syrischer und persischer Herkunft auch über das Abendland verbreitet unter dem Namen Mithras und Sol invictus. Juden- Christen jüdischer Herkunft, die den reinen Gottesbegriff kannten, wären niemals auf den Einfall gekommen, Gott mit dem Sonnengott gleichzusetzen. III. Aus A läßt sich erschließen, daß die Wiege des Mandäertums in dem unter Irans Einfluß befindlichen Babylonien gestanden habe. König Salomos Schicksal wird (S. 28) ähnlich dem des iranischen Urkönigs Jamsed geschildert, mit dem er ausdrücklich identifiziert wird (S. 411). Ebenso wie der iranische König, verherrlicht Salomo sich selbst, ist für die Güte seines himmlischen Herrn undankbar, weshalb ihm zur Strafe die Herrschaft genommen worden ist. A polemisiert in versteckter Weise auch gegen den Zarvanismus, welcher annahm, daß Ohrmazd einen Zwillingsbruder hat, nämlich das böse Urprinzip Ahriman. So heißt es S. 9: ,,Er (der hohe Lichtkönig) hat . ... keinen Zwillingsbruder“. Unter dem zarvanitischen Einfluß entstand auch die mythische Vorstellung der Mandäer, daß die Planeten, welche die 7 Kinder der Erzdämonin Ruhä sind (Ginzä 99), von dem Demiurgen. Patähil an die Himmelswölbung festgebunden wurden (Ginzä p. 104). Gemäß einer zarvani tischen Schrift2 haben die Planeten, die mit den 7 Erzdämonen Ahrimans identisch sind, im Vereine mit Ahriman die von Ohrmazd geschaffene Welt 90 Tage lang bekämpft. Die Himmelsgötter, die der Welt zu Hilfe gekommen waren, nahmen die 7 Dämonen gefangen und befestigten sie mittels himmlischer Stricke an dem Firmament, wo sie als Planeten sichtbar sind. Ohrmazd hat sie dann begnadigt und einem jeden von ihnen einen Glorienschein und einen himmlischen Namen verliehen. Erst in sasanidischer Zeit hat die Astrologie nebst den 7 Planeten Aufnahme in der offiziellen iranischen Religion ge- 1 Ein anderer Name des jüdischen Gottes ist יורכא( Jörabbä) Jahu rabb ״Großer Ihw“ (Ginzä 410, 132, 494). . 2 Ulama i Islam, Blochet, Revue de Phistoire de Rel. XXXVII 43 f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.