Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die mandäische Religion und das Judentum
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 17)
- Language
- German
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227 Hingegen ist der Schluß von A (§ 203 f.) erst in der mohammedänischen Zeit verfaßt, da hier ja von Mohammed die Rede ist1. Während A im Wesentlichen noch frei von gnostischen Eiementen ist, lassen sich bereits solche in B nachweisen. So heißt dort Noahs Weib Nuraitä (S. 46); ,,es ist die Ncopta, die die Gnostiker nach Epiphanius dem Noah zum Weibe gaben. Die kirchliche Tradition hat diesen Namen abgelehnt“2. Erst nach der Trennung vom Judenchristentum hat der Mandäismus gnostische und zahlreiche andere fremde Elemente in sich auf genommen. Unmöglich kann A bereits vor 70 n. Chr. verfaßt worden sein, wie Reitzenstein angenommen hat. Schon Lidzbarski3 wendet dagegen ein: ,,Ein Mann, der der Zeit Jesu nahestand, konnte nicht Pilatus als König der Welt bezeichnen“, da er dann genau gewußt hätte, welche Stellung ein römischer Statthalter im römischen Weltreich einnahm. Der Mandäismus muß auch bedeutend später als Paulus auf gekommen sein, denn sonst hätte man nicht Paulus mit Christus identifiziert (Joh 108)4. Der Umstand, daß die Mandäer die Geschichte Jesu nur in einer entstellten Form bringen, zeugt von einer sehr verschwommenen mangelhaften Kunde5. Wenn sie den Namen ,,Volkshaus“, welchen ungebildete Juden im 2. Jhdt. für ״Synagoge“ (nicht jedoch für den jerusalemischen Tempel) gebrauchten, auch auf den Tempel von Jerusalem übertrugen, so hatten sie nicht den Unterschied zwischen den Synagogen im Exil und dem ehemaligen jerusalemischen Tempel gekannt. Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß die Urmandäer, als sie sich vom Judenchristentum lossagten, ihr Wissen nicht direkt aus den jüdisch-christlichen, literarischen Quellen geschöpft haben, sondern den mündlichen Belehrungen verdanken. Da viele im Mandäismus vorhandenen, aus dem Spätjudentum stammenden Bestandteile frühestens erst um die Mitte des 2. Jhdts. n. Chr. im jüdischen Schrifttum belegt sind, so wird die mandäische Religion nicht vor 150, vielleicht erst um 200 entstanden sein. So ist es auch natürlich, daß zwischen den mandäischen Schriften und dem Johannisevangelium ״eine so weitgehende Verwandtschaft der Sprache, des Vorstellungsgutes, der Gedankenführung und der religiösen Problem- Stellung“ vorliegt6. Den Mandäern war schon das Johannesevangelium bekannt. Die Mandäer scheinen ursprünglich Judenchristen heidnischer Herkunft gewesen zu sein, weshalb ein so großes Gewicht auf die Taufe gelegt wird; denn sie geht auf die alt jüdische Vorstellung zurück, daß ein Heide, wenn er zum Judentum übertrat, unmittelbar nach 1 Sowohl hier als auch in Joh., S. 87 f. wird das Auftreten Mohammeds gleich an die Zerstörung Jerusalems angeschlossen. Daraus ist zu entnehmen, daß der Ueberarbeiter von A keine geschichtlichen Kenntnisse besaß. 2 Peterson, Theol. Blätter 1928, 319. Aber auch die Gattin des mand. Schriftgelehrten Dinänüxt heißt so (Ginzä 211). 3 Ginzä Einl. X. 4 Ebenso wie Paulus den Satan als den ,,Gott dieser Welt“ bezeichnet, so nennen ihn die Mandäer den ״K ö n i g dieser Welt“ (Joh. S. 55). 6 Vgl. auch J. Behm a. a. O-, S. 11. 6 Vgl. W. Bauer, Johanneskomm. 2. Aufl. in Lietzmanns Hdb. z. N. Test.; Bultmann, Ztschr. f. Ntl. Wiss. 1925, 104 ff., J. Behm a. a. O., 28. 15*