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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 226

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 4
Article
Die mandäische Religion und das Judentum
Date
1929-01-01
Page
Seite 226 (sequence 16)
Language
German
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226 kein Prophet der Juden mehr, sondern ein Betörer der Juden, der Gründer der christlichen Kirche, der die Dreieinigkeit ,,Vater, Sohn und Hl. Geist״ verkörpert (S. 59) und der ,,in den Bauch der Jungfrau״ eingetreten ist. Also die christliche Lehre von der Dreieinigkeit, der unbefleckten Jungfrau1 und der Fleischwerdung Christi wird in B als allgemein bekannt vorausgesetzt. Die Rezension B (sowie der sekundäre Zusatz § 199 in A) enthüllt uns die Existenz der mächtigen, offiziellen oströmischen und nestoriamschen Kirche. Zur Zeit der Abfassung von Ä ist noch im Judenchristentum der Sabbat gefeiert worden, und ist die Taufe im fließenden Wasser vollzogen worden, Tn B wird dagegen dem offiziellen Christentum vorgeworfen, daß es den Sabbat auf den Sonntag gelegt habe und man nicht mehr die Taufe im Fluß sondern ,,im abgeschnittenen Wasser״ d. h. in einem Taufbecken ״im Namen des Vaters, des Sohnes und Hl. Geistes״ vollzieht, daß ferner die Priester eine Tonsur tragen und es Mönche und Nonnen gibt (S. 50 f.). In den übrigen mandäischen Büchern tritt uns gleichfalls dieses offizielle Christentum sehr lebendig entgegen, welches ״das Kreuzeszeichen gebraucht, und Kreuzanbetung treibt, das ein hierarchisch gegliedertes Priestertum mit farbigem Schmuck und Gepränge hat2״. Christus ist in B der Sohn der Erzdämonin Ruhä, mit der er gewöhnlich zusammen genannt wird (247 f., 255, 307, 224, 190, 316, 437), er ist ״als das Haupt der Christen geboren״, der sich ״eine Kirche schuf״ (S. 410 f.) und sich ״als Gott der Nasoräer aufgeworfen hat״ (S. 449). Im Gegensatz zu A bildet in B das Christentum eine vom Judentum ganz verschiedene Kirche, weshalb hier Jesus nicht mehr auf gleicher Stufe steht wie Abraham und Moses. Der lügnerische Christus hat ״die Welt unter den Menschen in verschiedene Gebiete und Zungen gespaltet״ (Ginzä S. 247). Hier werden also eine Anzahl mächtiger christlicher Länder vorausgesetzt. In A kommt Ruhä nur einmal vor und zwar als die Ruhä d'qudää, der aHl. Geist* im judenchristlichen Sinne; hier tritt uns nur der judenchristliche Satan entgegen. Dagegen ist in B ebenso wie in den anderen übrigen Büchern Ruhä die Erzteufelin, von der alles Böse herrührt, und die im Vereine mit den dämonischen Planeten auf dem Berge Karmel ihren Sitz hat (Ginzä S. 121). - Daß Ruhä zum bösen Urprinzip geworden ist, beruht wahrscheinlich auf dem Einfluß des syrischen Kultes der Göttermutter3. Der sekundäre Zusatz in A (§ 199 S. 29) ist erst in der Zeit abgefaßt worden, als das offizielle Christentum eine derartige Macht war, daß es die Mandäer wegen ihrer Schmähsucht gegen Christus hart verfolgen konnte. Darauf gehen die Worte zurück: ״Wenn er (Christus) euch bedrängt, saget ihm: Wir gehören zu dir! Doch in eurem Herzen bekennet ihn nicht und fallet nicht vom Worte eures Herrn, des hohen Lichtkönigs ab!״ Wohl aus diesem Grunde werden sie sich später insofern rein äußerlich dem Christentum angeglichen haben, als sie statt des Sabbats den Sonntag feierten. 1Vgl. auch Ginzä, S. 187, Zeile 18 f. 2 Vgl. J. Behm, S. 84 f. 3 Vgl. Lidzbarski, Ginzä XI.

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