Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die mandäische Religion und das Judentum
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 15)
- Language
- German
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;225 Religion; dieser Name steht ebenfalls für Palestina (S. 29f., Joh. 'S. 126), und wird diese Stadt in Joh. (126, 137) sogar am Euphrat liegend gedacht1. In den judenrchristlichen Kreisen galt Jerusalem (= Zion) eben als die wahre Heilstätte, als der Mittelpunkt des messianischen Wirkens2. Wenn Enog Uthrä die Religion zuerst in Jerusalem offenbarte, so soll hierdurch die Echtheit der mandäischen Religion gekennzeichnet werden. Echt jüdisch ist folgende Schilderung von dem Kommen des Heilands Mandä d Haije: ,,Ein Ruf erscholl über die ganze Erde, der Glanz einer jeglichen Stadt ging unter. Mandä d Haije offenbarte sich in . Judäa, ein Weinstock erschien in Jerusalem, vor dem kein Frevel ist“ (Ginzä S. 181). Nach dem jüdischen Volksglauben erhebt Prophet Elias drei Tage bevor Messias erscheint, einen lautwarnenden Ruf, der gehört wird von einem Ende der Welt bis zum anderen (Midraä WajjöSä). Der gegen Christos erhobene Vorwurf, daß er die Juden durch das Schöfar (,,Blashorn“) belogen habe (Joh. 104), gründet sich auf die jüdische Vorstellung, gemäß welcher der Anbruch der messianischen Zejit durch das Schöfar verkündet wird (Scheftelowitz, Arch. Rel. W. XIV 23, vgl. auch den 10. Abschnitt der Wochentags-Tefillä). Ebenso wie bald nach dem Tode Jesu Jerusalem zerstört worden ist, wird nicht lange nach dem Erscheinen des Enos Uthrä ,,der Platz Jerusalem verwüstet; die Juden gehen in die Verbannung und werden in alle Städte verstreut“ (S. 30). Die Rezension A stellt abgesehen von dem Einschiebsel § 199 und dem Schlußzusatz § 203 f. im wesentlichen den Urmandäismus dar, wie er wohl einige Jahrzehnte nach der Trennung vom Judentum ausgesehen hat. Zunächst ist für den die Welt schaffenden jüdischen Engel Gabriel des A der rein mandäische Name Patähil in B eingesetzt worden3. In A ist Jesus ähnlich dem Mose ,,der Prophet der Juden“ (S. 28), der sich als ,,Gottes Sohn“ ausgibt, den sein Vater hierher gesandt hat. Die christliche Dreieinigkeitslehre war zur Zeit der Abfassung von A noch nicht im Christentum ausgeprägt. Bis um 200 n. Chr. war nämlich noch eine Dreiheit im Christentum angenommen worden. Erst im Anfang des 3. Jhdts. wurde diese Dreiheit zur Dreieinigkeit umgewandelt (Harnack, Dogmengesch. 3 II 274 1, 285 ff.). In A werden noch drei besondere göttliche Gestalten in folgender Reihenfolge aufgezählt: 1. der Vater Christi Samis, 2. der Hl. Geist Estra (= I§tar) und 3. Christus Nabü (— Nebo), der zum ״Lügenmessias“ gestempelt wird (S. 28). In B ist jedoch Jesus ein Römer d. h. ein Byzantiner (S. 49, 51 ff., 436), was frühestens auf das 4. Jhdt. hinweist. Christus ist hier kein Jude, 1 Dieses deutet darauf hin, daß man den Euphrat mit dem Jordan identifiziert hatte. 2 Vgl. 4. Esrab., Baruchapokal., ferner auch Peterson, Ztsch. f. Ntl. Wiss. 1926, 245 f. 3 Wenn Gabriel (S. 14) ausdrücklich mit dem Heiland HibiLZiwä identifiziert wird, so liegt hier sicher eine junge Glosse vor. Denn aus verschiedenen Stellen geht hervor, daß Hibil-Ziwä ursprünglich ein von Patahil und Gabriel ganz verschiedenes himmlisches Wesen ist (vgl. Ginzä S. 143, 242 f.). Hibil- Ziwä ist nämlich von dem präexistenten Adam erzeugt .worden (Ginzä S. 118). Dagegen ist nach Ginzä S. 14 der Uthra Gabriel von dem Lichtkönig selbst erschaffen worden. Monatsschrift, 73. Jahrgang. L5