Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die mandäische Religion und das Judentum
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 14)
- Language
- German
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224 Der mand; Prophet Jahjä wird als Kind von Bn<5§ Uthrä nach dem Berge Parwän (bezw. Karmel) entführt, wo er die göttliche Offenbarung empfängt und bis zum 22. Lebensjahre weilt; um dann plötzlich in Jerusalem als Prophet zu erscheinen (Joh 94, 116 f). Hier ist eine jüdische Legende umgestaltet worden: Messias wird, nachdem er sich zuerst den Israeliten offenbart hat, ähnlich Mose, .45 Tage lang den Israeliten verborgen bleiben, in welcher Zeit er die göttlichen Lehren in Empfang nimmt (Bamidbär Rabbä P. 11) .Mit den jüdisch-christlichen Legenden von dem Heiland waren also die Urmandäer sehr vertraut gewesen; seine charakteristischen Merkmale wurden zum größten Teil auf ihre eigene Heilandsgestalt übertragen und nur wenige Eigenschaften von ihm als die des Anti- Christ Jesu gekennzeichnet. Ebenso haben sie ja auch, obzwar sie das Judentum und die jüdischen Schriften für ein Teufelwerk und den Judengott Adonai für einen Dämonen gehalten haben, ihren Eichtkönig genau nach dem Vorbilde des Judengottes geformt und sich jüdische Engel zu eigen gemacht. Wohl haben sie Mose und Jesus als Lügenpropheten auf gef aßt, aber dennoch Johannes den Täufer, Maria und einzelne Vorschriften der Bücher Moses sowie manche Lehren Jesu ihrer Religion einverleibt. Daß die Mandäer vom Judenchristentum ausgegangen sind, darauf deutet schon der Umstand hin, daß Rez. A einerseits Jesus als den jüdischen Propheten der jüdischen Religion hinstellt, andererseits den Enös Uthrä analog der Ueberlieferung des von ihm verworfenen judenchristlichen Heilands schildert. Eno§ Uthrä bekehrt in Palestina ähnlich Christus viele Juden zur mandäischen Religion, er erscheint ähnlich Jesus in den Tagen des Pilatus in Jerusalem (S. 30, 48). Mirjai (= Mirjam Maria) ist die erste, die von Enös Uthrä bekehrt wird. Von ihr stammen Jakob und Benjamin ab, von denen 365׳ (bzw. 360) Jünger hervorgegangen sind (Ginzä 338; 341; 30). Also wie die Gemeinde Jakob (= die Juden) von Jakob abstammt, auch die Gemeinde der Mandäer. Dagegen ist Mirjam, die eigentliche Mutter Christi, zur Stammutter der Mandäer geworden. Ursprünglieh hatten die ersten Generationen der Juden zunächst die wahre Lehre besessen, die dem Adam, dem Haupte des lebenden Geschlechts, verliehen (Ginzä 27) und noch von Noah gehalten worden war, bis endlich Abraham, Mose und Christus diese Lehre fälschten (S. 46). Die Juden, von Adonai verleitet, ,,kehrten sich von der ersten Lehre ab und machten für sich ein Buch“ (Ginzä S. 25)L Der Mandäismus wird für älter gehalten als das Judentum (Ginzä S. 285)'. Vierhundert Jahre, nachdem sich die Juden in Jerusalem angesiedelt hatten, ist Jesus geboren (Ginzä S. 410). Diese Zahl ist gerade für die biblische Geschichte charakteristisch. Nachdem nämlich die Israeliten 400 Jahre in Aegypten ansässig gewesen waren, hat sie Mose daraus befreit (Gen 151s). Wenn Enö§ Uthrä von Jerusalem ausgeht, so darf daraus nicht geschlossen werden, daß die Mandäer aus Palestina stammen. Jerusalem ist. auch in den mandäischen Schriften die Geburtsstätte der wahren 1 Aehnlich behauptet der Barnabasbrief: Die Juden haben zwar das 'Gesetz, sie werden aber von einem Dämon betrogen-