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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 221

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 4
Article
Die mandäische Religion und das Judentum
Date
1929-01-01
Page
Seite 221 (sequence 11)
Language
German
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221 II. Das Urchristentum wird in A als ein fester Bestandteil des Judentums angesehen. Christus wird daher auf gleiche Stufe gestellt wie Abraham und Mose (Girizä 43) und gilt als ״P r o p:h e t der Juden“ (Ginzä S. 28): Eine solche Auffassung konnte nur in den Kreisen des Judenchristentums existieren, denen die überlieferten Worte Jesu als ein wesentlicher Bestandteil des jüdischen Glaubens galt. Ebenso wie Bestandteile des jüdischen Schrifttums sind daher auch neutestamentliche Gedanken zum unerschütterlichen Glaubensgut der Mandäer geworden1. Die Tatsache, daß der Eigenname eines Mandäers, der auf einer Zauberschale genannt wird und in der Uebertragüng bedeutet: ״Seine Hoffnung ist Jesus“ (Pognon, Inscriptions Mandaites I 1898, 103), läßt ebenfalls Herkunft ׳der Mandäer vom Judenchristentum erkennen2. Die Mandäer heißen in ihren Schriften gewöhnlich Nasoräer. Mit diesem Ausdruck bezeichnen die Kirchenväter für gewöhnlich die Judenchristen3, wohl deshalb, weil jene selbst sich so nannten. Es ist dasselbe׳ Beiwort, das Jesus Matth 223 u. J. im N. Test, gegeben wird, NaCcopaioq. Die Orientalisten erklären das Wort sprachlich heute im Sinne von ״Hüter, Beobachter“ (von hebr. נצר) und vermuten dahinter den Namen einer jüdischen Richtung, deren Anhänger sich in besonderem Sinne als Beobachter, Observanten, bestimmter Gebote ansehen und meinen, daß auch Jesus diesem Kreise der Observanten angehört und daher — nicht von seiner Heimat Nazareth — den Beinamen der Nazoräer erhalten habe“4. Ebenso wie die aus dem Alten Test, und dem späteren jüdischen Schrifttum stammenden Zitate in freier und zuweilen e;twas entstellten Form wiedergegeben werden, geschieht dieses mit dem aus dem Neuen Test, herrührenden. Dieses kommt wohl daher, weil die Mandäer des Lesens der biblischen Schriften nicht kundig waren. Sie müssen den Kreisen des ‘Amhaäres angehört haben. Darauf weist schon der Umstand hin, daß sie den Tempel zu Jerusalem ״Volkshaus“ nennen (Ginzä S. 50, Joh 75 f). Nun wissen wir aus Talm. Sabbat 32 a, daß im Anfang des 2. Jhdts. die ungebildeten Juden (עם הארץ) die Synagoge als ,,Volkshaus“ {בית עם) bezeichneten. Da das Wissen der Mandäer demgemäß nur auf mündlichen Belehrungen beruhen konnte, stammen die von ihnen überlieferten biblischen Namen aus der Umgangssprache der Juden wie Jäqif (= Ja'aqöb), Meischä (= Mö§e), Sräel (Joh. 81, ebenso im Manichäismus hebr. Ji sräel)5. Auch der mandäische Name für Sabbat Saftä jüd.-aram. שבתא geht auf die Volksaussprache der. babylonischen Juden zurück. Quellen aus 1 Vgl. J. Behm a. a. O., S. 23. : 2 Vgl. Peterson, Theol. Blätter 1928, 322. 3 Vgl. Hoennicke a. a. O., S. 99. 4 J. Behm, a. a. O., S. 20. 5 Noch heutzutage kommen in der Volkssprache der Juden Jokif, Maischa, Sroel vor. Die Mandäer bezeichnen mit ניימוסא die Thöra; dieser Ausdruck ist von den Juden •übernommen, die das griechische Wort v^oc durch נימוס wiedergeben und damit auch die Thora meinen (Megillä 12 b, Targ. Ps. 12, vgh Ginza S. 43; 248). *

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