Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die mandäische Religion und das Judentum
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 9)
- Language
- German
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219 dem Judentum begründet auch im Mandäismus die himmlische Herkunft der Seele einen Anspruch auf Erlösung. . Die in dem Menschen weilende Seele wird im jüdischen Schrifttum mit einer Königstochter verglichen, die eine ‘Ehe eingegangen ist mit einem gewöhnlichen Bürger ((Wajjiqrä Rabbä P. 4, Pesiqtä Rabbäti P. 8, Jalqut Miäle c. 20, Scheftelowitz, Entstehung d. manich. Rel. 54A). Ebenso gilt im Mandäismus die vom Himmel stammende Seele ,,von dem Tage an, da sie in den Körper eintrat, als seine Gemahlin in den Zeitaltern“ (== auf Erden, Ginzä 509). Die jüdische Sekinä- Vorstellung (vgl. Ber<!§ R. p. 2 שכינתו של הקב״ה) von der Niederlassung des Hl. Geistes spielt im Mandäischen als Wohnstätte eines himmlischen Geistes eine große Rolle (vgl. Ginzä S. 97; 144; 207; 13). Die jüdischen Engel öfänim kehren im Mandäismus als עופאניא wieder (vgl. Ginzä S. 44, Mand. Lit. 129). Eine Andeutung auf die jüdische Merkabah-Spekulation bietet mand. Markabta (Joh 276 f). Die in der Mandäischen Liturgie S. 129 (vergl. Ginzä S. 14) enthaltene Phrase: ,,Wenn unser Mund wie das Meer wäre, unsere Lippen wie seine Wogen, unsere Zunge wie die zerklüfteten Berge, dann könnten wir dich preisen, dich verherrliehen, dich segnen“, stammt aus dem Sabbatgebet נשמת כל חי, das zuerst um 200 belegt ist:1 ,,Wäre unser Mund voll des Gesanges wie das Meer, unsere Zunge voll der Lieder wie das Brausen seiner Wogen und unsere Lippen voll des Preises, wie die Ausdehnung des Firmaments . . ., wir wären doch nicht imstände, dir zu danken und zu preisen deinen Namen.“ Der Einfluß des jüdischen Gebetes auf das mandäische zeigt sich auch in der Eulogie: ,,Gesegnet und gepriesen seist du, mein Herr, von heute bis in alle Ewigkeit“ (Ginzä S. 14), bezw. ,,Gesegnet und gepriesen bist du von jeder Zeit und Frist bis in die Ewigkeit“ (Ginzä S. 10) oder ,,des hohen Lichtkönigs Name ist in alle Ewigkeit gesegnet und gepriesen.“ Im israelitischen Morgengebet (besonders beim Q a d d i s) wird wiederholt von der Gemeinde gesprochen: ,,Es sei dein Name gepriesen von heute bis in Ewigkeit“2. Aehnlich heißt es in der Sabbat-Qedu§ä: ,,Verherrlicht und geheiligt bist du von Geschlecht zu Geschlecht und bis in alle Ewigkeiten“3. Der in Ex 346f enthaltene Satz, der an jedem Feiertage in der Synagoge beim Herausheben der Thora-Rollen gebetet wird: ,,Der Ewige, der Ewige ist ein barmherziger Gott, gnädig, langmütig, reich an Huld und Treue; er bewahrt Huld gegen Tausende und ist ein Erlasser von Sünden und Vergehe n“, spiegelt sich in Ginzä S. 19 wider: ,,Er, der hohe Lichtkönig, ist mitleidvoll und nachsichtig und barmherzig, er ist ein Erlasser 1 Ta‘änit 6 b, Pesähim 118 a, Beräk. 59 b, Jer. Beräk. I 8 f., 3 d. 2 יהי שם ה׳ מברך מעתד. ועד עולם. Der in den Seiihst des Jömkippurfestes häufig wiederkehrende Satz: סלח לנו אבינר כי חמאנו מחל לנו מלבנו כיפשאנו findet sich Ginzä, S. 54; 112. ,,Unser Herr, wir haben gesündigt und gefehlt» erlasse uns unsere Sünde und Schuld.“ 3 תתגדל ותתקדש — לדור ודור ולנצח נצחים, vgl. auch Peterson, ztsch. f. Ntl. Wiss. 1926, 247 f. Das 2. Stück des 2. Buches der Ginzä, das das Sündenbekenntnis därsteilt, enthält so viele Anklänge an jüdische Gedanken, die in den Bußtagen besonders zum Ausdruck gebracht werden, so daß die Mandäer es sicherlich nach jüdischen Vorbildern zurechtgestutzt haben.