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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 218

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 4
Article
Die mandäische Religion und das Judentum
Date
1929-01-01
Page
Seite 218 (sequence 8)
Language
German
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218 ,,Der ruchlose Haman fing endlich an, die Weinstöcke (== Israeliten) zu entwurzeln, wie es heißt Est. 313: ,,Um alle Juden zu vertilgen, töten und zu vernichten". Auch ins Gebet ist die Bezeichnung Israels als eines Weinstocks eingedrungen. So heißt es in dem mit den Worten תמים פעלך beginnenden Gebete des 2. Rös Hassänätages: *,Den Weinstock deiner Pflanzung erhalte für die Dauer der Zeiten"1. ‘Ebenso ist die Bezeichnung des Heilands als eines Weinstocks altjüdisch. ,,Wie aus dem Weinstock ein Zweig hervorgeht, der alle Bäume bezwingt, so wird auch von Israel ein Gerechter (== Messias) 'hervorgehen und von einem Ende der Welt bis zum andern herrschen" ,(Wajjiqrä R. P. 36). ,,Wer eine Rebe im Traume sieht, darf auf den Messias hoffen" (Beräköt 57a, Midr. Tehillim Ps 128, vgl. auch Targ. Jönat. zu Gen 49n). Auch in Ap. Bar. 37, 39, 7 wird Messias mit dem Weinstock verglichen (vgl. auch G. Hoennicke, Das Juden- Christentum 1908, 306). Demgemäß bezeichnete sich Jesus als den wahrhaftigen Weinstock (Ev. Job. 15!). Die seit der Mitte des 2. Jhdts. n. Chr. belegte, auf R. Meir zurückgehende Vorstellung, daß der paradiesische ״Baum des Lebens", dessen Früchte die Blindheit von den Augen nehmen und den Menschen zum göttlichen Wesen machen (Gen 36), eigentlich der Weinstock sei2, spiegelt sich ebenfalls im Mandäismus wieder: Die zum Himmel aufsteigende Seele eines dahingeschiedenen Frommen erblickt den ״Aether-Weinstock." Ein Blatt nimmt diese Seele von ihm und legt es sich auf die Augen. Da wird ihr die Blindheit von den Augen genommen und sie schaut den äußeren Aether und *den lichten Himmelswohnsitz (Ginzä S. 451, vgl. 429.) Ebenso wie im Judentum (Jer. Kiläjim P. 9, Bl. 32c, Jer. 'Ab. zära P. 2, Bl. 41, Bere§. R. P. 7 zu c. 1,25) wird auch im 'Mandäischen unter ״Perle" die Seele verstanden (Ginzä 300; 514 ff, 590, Mand. Lit. 102). Die Auffassung der Mandäer, daß der Mensch aus Geist (דלחא), Seele (נישימתא) bezw. (נאפשא) und Leib (פאגרא) besteht, von denen die beiden ersten vom Himmel stammen, deckt sich mit der jüdischen (vergl. Hi 12n, 273; Jes 26g, 5716; Qöh. 12?; Beräk. 10a, Nidda 31a, Jelamdenu P. Tazri'ä § 2). ״Die Seele des Menschen stammt vom Himmel und sein Körper von der Erde"3 * *. Aehnlich .גפן נטיעתך תכין לארך ימים 1 v 2 Beräk. 40 a, Sanh. 70 a, Wajjiqrä R. P. 12. 3 Sifre § 306, Jalqut Dt c. 32 § 942, vgl. Wajjiqrä R. P. 4 u. 9, Beres. R. P. 12 u. 14, Tanhumä Beres. § 15. Josephus B. J. VII 8,7 bezeichnet folgende Lehre als ,,altehrwürdige Ueberlieferung“: ״Der Tod gibt den Seelen die Freiheit und eröffnet ihnen den Zugang zu dem reinen Orte, der ihre Heimat ist und wo kein Leid sie mehr treffen soll. Solange sie aber noch an den sterblichen Leib gefesselt und von seinen Gebrechen angesteckt sind, kann man sie in Wahrheit als tot bezeichnen.‘6 Aehnlich lehrt R. Ifija gegen Ende des 2. Jhdts.: ״Der Körper stammt von den unterer! Wesen, aem Orte, wo man sündigt, aber du, die Seele, stammst von den himmlischen Wesen, von dem Orte, wo man nicht sündigt.“ In Pesähim 2 b heißt es: .,,Die künftige Welt gleicht dem lichten Tage, diese irdische Welt der Nacht.“ Solchen Gedanken, die wir auch bei Philo, Plotin und Poseidonios . finden, {vgl. I. Heinemann, Poseidonios I 56, R. Harder, Plotins Abstieg der Seele in die Liebes weit, Die Antike 364 ,1925׳ ff.), begegnen wir im Mandäismus, *der in der Auffassung, von der Seele mit dem Judentum übereinstimmt.

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