Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die mandäische Religion und das Judentum
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 4)
- Language
- German
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214 gewaltigen Fisch symbolisiert wird1, personifiziert im Mandäismus der Leviatan die Unterwelt, der am Ende der Tage alle Sünder und Dämonen verschlingt (Ginzä 419; 298). Die Hölle wird mit den jüdischen Ausdrücken Gehenna (Ginzä 38; 62), §eal und Abbadön bezeichnet (Ginzä 180, 220, Joh. II 1901)• Wenn der Todesengel ein Schwert trägt (Joh. S. 120), so entspricht dieses dem jüdischen Volksglauben2. Der hohe Lichtkönig läßt durch den Engel Gabriel die Finsternis niedertreten (S. 14), während nach jüdischem Volksglauben Gott selbst auf die finsteren Urwasser tritt3. Durch eben denselben Engel läßt der mandäische Lichtkönig den Himmel erschaffen. ,,Gabriel allein hob den Himmel hoch und spannte ihn aus“ (S. 15). Eine ähnliche Anschauung enthalten die Midrasim, die uns berichten, daß im 3. Jhdt. n. Chr. Ketzer annahmen, Gabriel hätte bei der Welt- Schöpfung den Norden des Himmels, Michael den Süden des Himmels und Gott dessen Mitte ausgespannt4. Wenn die Mandäer nur Gabriel erwähnen, so kommt es wohl daher, weil er den Nordhimmel, der ja nach mandäischem und alt jüdischem Volksglauben der Sitz der himmlischen Wesen ist, errichtet hat. Da nun nach mandäischer Auffassung der Südhimmel die Hölle umfaßt, kann der Schöpfer des Südhimmels unmöglich ein guter Engel sein und wird wohl aus diesem Grunde Michael nicht erwähnt. Von dem ersten Menschenpaar Adam und Hawa, das aus einem Lehmklumpen erschaffen ist (Ginzä S. 590, 430), und von dem alle Menschen abstammen (S. 80), gingen drei Zwillingspaare hervor, die aus je einem Knaben und einem Mädchen bestanden. Von diesen 3 Männern und 3 Weibern hatte sich die Welt bevölkert (Ginzä S. 245). Aehnlich lautet ein aus dem 2. Jhdt. n. Chr. stammender Midra§: ,,Das erste Menschenpaar stieg zu zweien ins Ehebett und zu sieben wieder heraus, indem nämlich Kain und seine Zwillingsschwester und Abel mit 2 Zwillingsschwestern hervorgingen5.“ Nach einer anderen jüdischen Ueberlieferung ist sowohl Kain als auch Abel mit nur je einer Zwillingsschwester geboren6. Da nun die Mandäer von 3 Zwillingspaaren sprechen, so haben sie angenommen, daß auch der jüngste Sohn Adams, nämlich Set (— mand. Sitil), der nach Abels Tode geboren wurde, ebenfalls mit einer Zwillingsschwester ins Leben getreten sei. Aehnlich sind auch dem präexistenten Adam, dem Adakas-Ziwä, drei Kinderpaare entsprossen (Ginzä S. 117 1). Wenn es in A (S. 27 u. 45) heißt: ,,Adam, dem Manne, ist bestimmt, 1000 Jahre zu dauern“ (vgl. auch S. 425), so nimmt dieses Bezug auf die jüdische Legende, die berichtet, daß Adam eigentlich 1000 Jahre leben sollte, er aber freiwillig von seinen Lebensjahren 70 Jahre an 1Scheftelowitz, Altpersische Religion u. d. Judentum, S. 198 f. 2 Scheftelowitz, Altpaläst. Bauernglaube, S. 10 f. 3 Beresit Rabbä P. 5, Jelamdenu Beres. § 7, Scheftelowitz a. a. O. 31. 4 Tanhumä (ed. Buber) Beres.’§ 1, Beresit Rabbä P. 1 u. 3. Nach Bäbä Baträ 75 a sind Gabriel und Michael die beiden Engel des Himmelsgewölbes. 5 Beresit Rabbä P. "22. Jälqut Berös. § 35. 3 Jebämot 62 a, Schatzhöhle c. 5, M. Gaster, Asatir c. 1,3, wo auch eine reiche Literatur verzeichnet ist.