Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien zur Redaktion des babylonischen Talmuds
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 27)
- Language
- German
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210 Die Suggia weist eine normale historische Entwicklung auf״ Die Frage רישא רבנן סיפא ר3י מאיר wird aufgeworfen und von R״ Chisda beantwortet: אין רישא רבנן סיפא רבי מאיר. Eine Generation später antwortet r. Josef רבי היא ונטיב.לה אליבא רתנאי; wiederum eine Generation später antwortet Rawa1: לבי שמלון היא וסבירא ליה ס־״מ בחדא ופליג עליה בחרא. Eine weitere Generation später wird schon die Antwort Rawas diskutiert und die Frage זהאי ממאי דרבי שמעון היא 1 Der meritorische Unterschied zwischen diesen drei Erklärungen, die an der Sache nichts ändern, da im Grunde genommen noch immer ־רישא רבנן וסיפא ר״בל bleibt, scheint folgender zu sein: R. Chisda sagt *אין רישא רבנן וסיפא רבי 5מאיר ja die Mischna fließt nicht aus einer Quelle; mit anderen Worten etwa: zwei Mischnajot nach zwei ,verschiedenen Dezisionen sind nebeneinander gestellt worden, ohne daß die Differenz zwischen ihnen behoben worden wäre. R. Josef sagt: nein, Mischnajot aus verschiedenen Schulen oder nach verschiedenen Dezisionen haben sonst keinen Platz nebeneinander, wenn sie nicht absichtlich durch Rabbi nebeneinandergestellt wurden, ירבי היא ונטיב לה אליבא דתגאי; unsere Mischna fließt bereits aus einer Quelle, nämlich aus der Schule Rabbis, nur hat Rabbi selbst in dem einen Punkte dem einen und im anderen einem anderen beigepflichtet. Rawa sagt: es ist richtig, daß unsere Mischna.aus einer Quelle fließt, aber nicht aus einer so jungen wie der Rabbis, sondern aus einer älteren, aus der R. Simons; schon R. Simon hat R. Meir in einem Punkte beigepflichtet, im andern aber nicht, דיש היא וסיל כר״נד בחדא ופליג עליה בחרא,• Der Ausspruch R. Josefs רבי היא ובסיב לה אליבא דתגאי kommt noch an vier Stellen vor* Rosch haschana 7b, Chulin 84a und 104a und Schebuot 4a. An drei Stellen folgt dann יבזה סבר לה כפלוני ובזה סבר לה כפלוני nur Schebuot hat בסיב statt סבי und an unserer Stelle (Megila-Horajot) fehlt dieser Satz ganz. Man kann sich schwerlich des Eindrucks erwehren, daß dieser Satz bei uns deshalb fehlt, weil der Ausspruch Raw Josefs hier ohnedies keine andere Erklärung zuläßt, denn die Erklärung ist bereits durch die Lösung R. Chisdas einerseits und durch die Rawas andererseits eindeutig bestimmt. Anders liegen die Dinge bei den anderen Stellen, wo wir bloß die Lösung R. Josefs allein haben; da ist noch eine Deutung möglich; daher folgt die Erklärung ־•בזה סבר לה כפלוני ובזה סבר לה כפלוני Aus welcher Zeit diese Erklärung zum Ausspruche R. Josefs stammt, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Es hängt davon ab, wie man den Text in Schebuot auffaßt. Schebuot hat, wie wir schon bemerkt haben, בסיב statt סבר. Der Hinweis darauf, daß man hier nicht auf rein dezisorischem Boden steht, hilft nicht zur Erklärung dieses Umstandes, denn der Ausdruck סבר kommt nicht bloß in reiii de ziso rischem, sondern auch in anderem Zusammenhang vor, vgl. die in Aruch Completum s. v. verzeichneten Stellen. Hier scheint man vielmehr deshalb נסיב und nicht סבי zu lesen, weil die Fortsetzung lautet: איר אשי אמריתא לשמעהא קמיד. דרב כהנא ואמר לי לא תימא רבי נסיב לה אליבא דתגאי וליה לא סבירא ליה אלא רבי טעמיה דנפשיה מפרש. Würde man סבר lesen, so wäre diese Bemerkung nicht gerechtfertigt. Es ist nur die Frage, ob schon Rab Aschi die Erklärung zum Ausspruch R. Josefs gehabt hat u. z. in der Version בסיב und deshalb nur בסיב für richtig hielt; aber ליה לא סבירא ליה weswegen die Antwort R. Kahanas erfolgt. Oder ist etwa die ganze Erklärung jüngerer Provenienz und man hat in Schebuot gemäß den jüngeren Ergänzer durch eine feine Stiländerung von סבר in בסיב der Fortsetzung אמר רב אשי,וכד Rechnung getragen? Auf jeden Fall liegt kein Grund vor, dieser Erklärung amoräische Provenienz abzusprechen. Es ist nur zweifelhaft, ob sie schon vor R. Aschi vorhanden war oder erst nach ihm hinzugefügt wurde. Für den späteren Termin spricht im gewissen Sinne das לישנא אווריבא ibid. Schebuot 4 b oben und das ה״ג bei Raschi ibid. 4a s. v.רבי, wonach die L. A. גסיב überhaupt zu schwanken scheint. Wenn die Erklärung noch vor R. Aschi vorhanden gewesen und die L. A נסיב die ursprüngliche wäre, so wäre, auffällig, daß R. Kahana gerade in Schebuot, wo man nicht einmal auf rein'dezisorischem Boden steht, seine Bemerkung gemacht hat, da doch R. Aschi hier גסיב las.