Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien zur Redaktion des babylonischen Talmuds
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 20)
- Language
- German
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203 aus ihr folgern, daß Texte weder gestrichen noch nachgetragen wurden1. * * * Bei der Gegenüberstellung der vierten Teilsuggia in Kethubot 33b f. und ihrer Parallelstelle in Baba Kama 71a f. haben wir beobachten können, daß — abgesehen von den kleinen Varianten — Kethubot noch eine Fortsetzung der Suggia hat, die aller Wahrscheinlichkeit nach Baba Kama zur Zeit, als die betreffende Suggia dort untergebracht wurde, nicht bekannt war. Daraus ergibt sich also, daß die Schlußredaktion — denn einer solchen mußten schon alle Texte und somit auch die Fortsetzung in Kethubot vorliegen •— keine Texte ergänzt hat. Auch dieser Erscheinung begegnen wir ziemlich oft im Talmud, wofür einige Fälle zeugen mögen2. 1 Tossafot Kethubot 81a s. v. שותות bemerken משמע דבסדר המשנה גרסיבן אי שותות ולא כמו שהיה כתוב שם בספרים לא שותות ותימא דהתם עיקר מילתיה ולא פריך לה בלל. Den Tossafot ist somit in der Mischna eine L. A. לא שותות bekannt gewesen, obwohl sie selbst schon או שותות gelesen zu haben scheinen, daher auch Tossafot s. v. בית הלל z. St. in Jebamot: הא דגרם במסכת סוטה לא שותות ולא נוטלות כחובה כתבו שם כמו שמגיה הש״ם כאן. Tossafot in Kethubot scheinen eben jünger zu sein als die in Jebamot. In der Zwischenzeit dürfte der Text in Sota von לא שותות in או שותות korrigiert worden sein, weil man auf Grund von Jebamot-Kethubot annahm, daß die ursprüngliche und richtige L. A. או שותות und לא שותות bloß eine nachträgliche Korrektur ist. Jeruschalmi (ed. Korotoschin) Sota IV 3 (19c) liest לא שותות. Raschi Sota z. St.: וביה אומרים או שותות או לא נוטלות כתובה, כלומר מתוך שלא שותות לא נוטלות כתובה. Ms. München: יאו לא שותות ולא נוטלות etwa ein Gemisch beider Lesearten. Nach Tossafot ist die L. A. או שותות die richtige und לא שותות ein nach der Maskana in Jebamot-Kethubot korrigierter Text. Nach Frankel, Darke-ha Mischna (ed. Nissenbaum, Warschau 1923) S. 235 wäre auch der Jeruschalmi nach dem Babli korrigiert: וראה זה חדש הוא שלפעמים נראה המשנה שבירושלמי מוגה עיס מסקנת הבבלי, עיין סוטה פ״ד מיג בירושלמי וביה אומרים לא שותות ולא נוטלות כתובה, והוא ע״פ מסקנת השים יבמות ליה ועיקר גי" המשגה או שותות או [לא] נוטלות כתובה עיייש. Frankel scheint übersehen zu haben, daß Tossafot auch im Babli Sota so gelesen haben, wie der Jeruschalmi liest und diese L. A. ebenso im Babli erklären wie sie Frankel im Jeruschalmi auffaßt. Indes scheinen die Text zeugen sehr alter Provenienz (Tossafot Kethubot ולא כמו שהיה כתוב שם בספרים und Jeruschalmi, Kodex München liegt bereits auf der Grenze) und die Tatsache, daß die textkritische Bemerkung או שותות והביא ובו׳ in Sota z. .St. fehlt, obwohl die Schwierigkeit in der L. A. או שותות auf der Hand liegt, für die Ursprünglichkeit der L. A. לא שותות Zu sprechen. Wäre ferner die L. A. או שותות ursprünglich, so mußte der alte Korrektor den Text in Jebamot-Kethubot bereits gekannt und vor Augen gehabt haben, was nicht sehr wahrscheinlich ist, denn hätte er ihn vor sich gehabt, so ist es wahrscheinlicher, daß er die kurze textkritische Bemerkung nachgetragen, als daß er den Urtext ganz einfach korrigiert hätte. Die Sache scheint daher vielmehr so zu liegen. In b. Sota (und ebenso im Jeruschalmi) hatte man die L. A. לא שותות und in Jebamot יאו שותות daher fehlt die textkritische Bemerkung in Sota. Sota ist nicht beeinflußt von Jebamot und Jebamot nicht von Sota, Kethubot hingegen scheint direkt aus Jebamot zu schöpfen, wofür auch der ganze Text dort spricht, daher Kethubot auch identisch mit Jebamot. Die letzte Redaktion, die auch sonst keine Texte nachgetragen hat, hat auch hier an beiden Stellen nichts geändert. Erst später, als man begann die L. A. לא שותות als korrigiert aufzufassen, setzte man an ihre Stelle: או שותות, das man für ursprünglich hielt, man korrigierte also nicht, sondern stellte richtig. 2 Auf den Umstand, daß an einer Stelle eine איבעיא ungelöst bleibt, die Lösung aber an anderer Stelle vorhanden ist und trotzdem nicht nachgetragen wird, machen bereits die ,,Rischonim“ aufmerksam. Vgl. Tossafot Joma 19a s. v. מי איכא, B. K. 86b s. v. ביישו, Baba Mecia 17b s. v. מן, Sanhedrin 85a s. v. גוהאמר Jad Maleachi §§ 634, 635 und Gutmann im Dwir II 123 f. und 147 f.