Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien zur Redaktion des babylonischen Talmuds
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 15)
- Language
- German
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198 mal wird die ursprüngliche Bedeutung des betreffenden Ausspruches an der zweiten Stelle erweitert oder modifiziert1. Die dritte Formel bringt sonst nichts wesentlich Neues, außer, daß sie nicht besonders häufig vorkommt2 und daß — was bereits in der Erweiterung der Formel selbst enthalten ist — nach der Quelle gefragt wird. Die wichtigste Frage ist also die des Quellen- Verhältnisses, und merkwürdigerweise hat fast jede Stelle ihr eigenes Quellen Verhältnis. So wird einmal nach der Quelle gefragt, obwohl der Ausspruch, der zitiert wurde, an der angegebenen Stelle im Anschluß an eine Mischna eines anderen Traktats tatsächlich vorkommt. Indes scheint in einem Falle der Frage nach der Quelle die Absicht zugrunde gelegen zu haben, den Ausspruch auf die Quelle zu beschränken3. Die Frage hat also mit dem Quellenverhältnis nichts zu tun. Ebenso ist das Fragen nach der Quelle begreiflich an Stellen, die tatsächlich sonst nirgends mehr Vorkommen. Das Zitat, nach dessen Quelle man fragt, mag auch sachlich dorthin gehören, wo man es zitiert, und dennoch wird nach der Quelle gefragt. Die Quelle hatte eben keinen festen Ort, sie wurde hier benutzt und bei dieser Gelegenheit auch hier untergebracht4. Manchmal gehört auch die Quelle sachlich nicht in den betreffenden Zusammenhang; sie wird aber dennoch herangezogen, weil sie inhaltlich keinem der vorhandenen Gemaratraktate des Babli eingeordnet werden kann; sie könnte überall untergebracht werden5 und findet dort ihren Platz, wo sie behandelt wird6. Unerklärlich bleibt die Frage ולדכא איתמר bei den Stellen, die auch im Anschluß an eine Mischna in einem andern Traktate Vorkommen. Es ließe sich sagen: sie wurden später an der Quelle nachgetragen; aber wenn man schon nachgetragen hat, warum denn nicht überall? Im übrigen hat man in manchen Fällen den Eindruck, daß die Primärquelle tatsächlich an dem Ort zu suchen ist, auf den das Zitat weist7. Nach alldem läßt sich mit Wahrscheinlichkeit behaupten, daß das Quellenverhältnis der fraglichen Stelle von der Formel ולדכא איתמר לפלוני ganz unabhängig ist. Die Formel scheint zu verlangen, daß sie wörtlich genommen wird: dem Fragesteller war die Quelle unbekannt und deshalb fragt er nach ihr. Das bedeutet aber nicht, 1 Kidduschin 21b (Chulin 91a), Baba Kama 44a (ibid. 48b), Horajot 12a (Chulin 91a). 2 Außer gelegentlichen Notizen haben wir daraufhin geprüft Berachot, fast ganz Moed, Jebamot, Kethubot, Gittin, Baba Kama und Aboda-Zara und nicht mehr als die hier benutzten Stellen gefunden. Möglich, daß uns manches entgangen ist, aber jedenfalls nicht sehr viel. Da für unser Problem auch ohnedies bei dieser Formel nicht viel herauskommt, so haben wir abgesehen^von der weiteren Durchsuchung der Texte. 3 Sabat 5a (Erubin 98a unten). 4 Pesachim 34a, Baba Kama 20a, Baba-Bathra 126a, Erubim 31b, Kidduschin 21a (vgl. hiezu noch Baba Bathra 108b und 110b). 5 Vgl. Hazofe IX 187. 6 Sukka 15b, Kethubot 24ab, Kerithot 15b, Chulin 119b und 140a. 7 Nidda 13a (ibid. 43a), Erubin 28b (Chulin 25b), Joma 69b (Sota 41a oben). In Nidda 43a scheint tatsächlich der ganze Text, angefangen אוחז והתביא bis אמר שמואל aus Nidda 13 nachgetragen zu sein; in Chulin kann er möglicherweise auch nachgetragen sein; in Sota-Joma scheint gar Sota die Primärquelle zu sein, wofür in gewissem Sinne auch das dort ei nge klammerte מיתיבי ,spricht.