Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien zur Redaktion des babylonischen Talmuds
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 12)
- Language
- German
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195 Der Widerspruch in der Ueberlieferung im Namen Rabs bestand darin, daß Rab einerseits בהמה גסה נקנית במשיכה entschied und andererseits selbst in der Mischna במסירה las1. Dieser Widerspruch wurde dann, als man eine Quelle für במשיכה gefunden hatte, dadurch gelöst, daß man erklärte, Rab habe tatsächlich in der Mischna במסירה gelesen, habe sich aber mit seiner Dezision כמשיכה auf eine andere Quelle2 gestützt. An dieser neuen Quelle entwickelt sich nun eine kurze Diskussion, an der Amoräer aus der dritten und vierten Generation teilnehmen. — Dies die eine Entwicklungsrichtung der Suggia, die uns in Kidduschin vorliegt. Die zweite Entwicklungsrichtung haben wir in zwei Rezensionen, in einer palästinensischen und einer babylonischen. Nach der palästinensischen Rezension scheint der Widerspruch in der Ueberlieferung Rabs, den bereits Schmuei unterstreicht3, die Anfrage R. Jehudas an R. Eleazar בהמה גסה כמה יהא נקנית verursacht zu haben. R. Jehuda, der Schüler Rabs und Schmueis, wendet sich an R. Eleazar, ebenfalls einen Schüler Rabs, mit der Bitte um Verifizierung einer Tradition ihres gemeinsamen Meisters. Auf die Frage R. J ehudas antwortet R. Eleazar nach der Rezension des Jeruschalmi: במסירה, was eigentlich besagt: entweder kennt R. Eleazar nicht die Dezision Rabs במשיכה oder er kennt sie, mißt ihr aber keine verbindende dezisorische Bedeutung bei, weil doch die Mischna במסירה hat und der Text der Mischna von Rab selbst bestätigt wurde. Beide Eventualitäten sind jedoch unwahrscheinlich; die erste deshalb, weil R. Jehuda bei der Anfrage sicherlich die Dezision Rabs mitgeteilt hat; die zweite ist meritorisch unwahrscheinlich, — allein das möge vorläufig dahingestellt bleiben. Der weitere Text im Jeruschalmi ist vorläufig so zu erklären:אמר ליה ולא מתניתין היא בהמה גסה והו׳, da fragte man R. Eleazar: warum fragt denn R. Jehuda eigentlich, es ist doch eine offene Mischna! Hierauf wird geantwortet: אית תניי תני מיחלף die L. A. in der Mischna steht eben nicht fest und deshalb hat R. Jehuda gefragt. Es ist aber möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß im Jeruschalmi כמשיכה statt במסירה zu lesen, also nach dem Babli zu korrigieren ist. Die Frage ולא מתניתין היא וכף wäre dann gegen R. Eleazar selbst gerichtet, du sagst במשיכה, die Mischna hat ja במסירה, hierauf die Antwort אית תניי תני מיחלף, es gibt noch eine Quelle für eine andere Version, die die Entscheidung במשיכה bestätigt. Danach stimmt R. Eleazar im Jeruschalmi mit R. Eleazar im Babli B. K. 11b und auch mit seinem Lehrer Rab 1 Die Worte Sclimuels: והא אנן במסירה תנן ורב במי במסירה אמר הדר ביה מההיא sind so aufzufassen: Unsere Misclma lautet במסירה, also ist Rab gegen die Mischna; und wenn ihr mir etwa entgegenhalten solltet, Rab habe in der Mischna anders gelesen; ורב נמי במסירה אמר, Rab hat ja auch gesagt, daß in der Mischna במסירה zu lesen ist; הדר ביה מההיא, bat Rab vielleicht seine Bestätigung für die L. A. במסירה in der Mischna zurückgezogen. Darauf denn die Antwort יד.וא דאמר כי האי תנא Rab hat wohl auch in der Mischna במסירה gelesen, nur hat er für seine Entscheidung eine andere Quelle gehabt. ■*־־ Die Erklärung Raschis z. St. והא אבן תבן במסירה ורב במי במסירה אמה היה רגיל לומר ist ziemlich dunkel. 2 Daß Rab auch sonst zuweilen eine Boraitha einer Mischna vorzieht, ist auch anderwärts bekannt, vgl. Erubin 36b, Baba Kama 96b. 3 Raschi z. St. הדר ביה וכר בתמיה עד הכא שמואל קאמר לה. 13*