Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien zur Redaktion des babylonischen Talmuds
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 9)
- Language
- German
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192 •unmöglich zumuten kann. Allein auch Bechoroth kann schwerlich für Sanhedrin die Quelle für das ganze Stück von בשלמא חייב את הזכאי an $ein, weil in diesem Falle das Stück von כיון לאמל פטלל אתה bis קשיא eine jüngere Ergänzung sein müßte, und der ursprüngliche Text wie in Bechoroth והא לא נטל לנתן ביל אמל לבינא gelautet haben dürfte. Wenn aber dem so wäre, so wäre nicht zu begreifen, warum man mit קשיא abschließt und dann לבינא אמל liest, und nicht wie gewohnlich in solchen Fällen אלא אמל פלוני gelesen, das אמל לבינא belassen und dazu bloß ein אלא hinzugefügt wird. Wird ferner auch berücksichtigt, daß fast1 überall, wo ein Abschnitt mit קשיא abgeschlossen wird, keine Fortsetzung des Ab- Schnittes mehr folgt, so kann man die Entstehungsgeschichte der Texte in folgender Weise darstellen: . Die Urquelle für die These נשא ונתן ביל ist ein Ausspruch Rabs an Hand der Mischna in Bechoroth, der sowohl R. Ilaa als auch R. Chisda bekannt war. Später wird er nach zwei Seiten ׳ hin modifiziert: einmal an Hand der Mischna in Bechoroth, wo die Frage בשלטא aufgeworfen und sofort durch Rabina beantwortet wird; ein andermal durch R. Chisda. Rab Chisda benutzt ihn, um die »למיל in Sanhedrin zu beantworten. Dieser nun erweiterte Ausspruch R. Chisdas entwickelt sich, soweit er sich noch mit dem Ausspruch Rabs deckt, in derselben Richtung wie jener. — Gleiche Ursachen, gleiche Wirkungen, daher derselbe Gedankengang, jedoch mit Stil- Varianten, denn אץ2 * * * * * 8 שני נביאים מתנבאים בסגנון אחל. Die von R. Chisda herrührende Erweiterung bedingt einen weiteren Teil der Ent- Wicklung, — es ist dies der Teil, den Bechoroth überhaupt nicht kennt. ]Die ganze Suggia wurde mit קשיא abgeschlossen. Bis zu diesem Punkte gehen die beiden Suggiot entschieden getrennte Entwicklungswege. Erst später wurde die von Rabina in Bechoroth gegebene Antwort auch in Sanhedrin herangezogen. Wann dies geschah, läßt sich nicht mehr feststellen, es läßt sich aber mit einem hohen Grad von Wahrscheinlichkeit sagen, wie es geschah: die Suggia in Sanhedrin würde in ihrer ursprünglichen Form belassen, nämlich mit dem abschließenden ^קשיא, und erst nach dem קשיא wurde die Antwort Rabinas angehängt. Nach קשיא...paßte aber die. Wortstellung אמל לבינא, die. in solchen Wendungen mehr unmittel־■ baren Charakter hat, nicht gut; deshalb die Umstellung לבינא אמל, eine' Wortstellung, die dem voraufgehenden קשיא gerecht wird. Ein ähnlicher Fall zweier Paralleltexte,: die wahrscheinlich einer Quelle entspringen, um getrennte Entwicklungswege zu 1 Von den 125 im Aruch Completum s. v. תיובחא .;verzeichneten Stellen, wo. ein Text mit קשיא abschließt, haben außer unserer Stelle; hier etwa noch vier eine Fortsetzung. Auf zwei, Beca 21a und Zebachim 55a, macht schon Kohut ibid. aufmerksam, zwei andere finden sich in Kethubot. 110a und Baba Mezzia 27a, jedoch alle diese Fortsetzungen machen, den, Eindruck .späte rer Zusätze. Das stimmt auch mit der traditionellen Auffassung, überein, wonach, eine mit תיובתא abgeschlossene Schwierigkeit unbehebbar ist, eine, hingegen mit קשיא abgeschlossene sich noch beheben läßt und nur: vorläufig offen geblieben.ist. Quellenbeleg hierfür siehe bei Kohut a. a. O. Ein. interessantes Beispiel für •die. Entstehung einer Fortsetzung nach קשיא bietet die .•Parallel־:׳׳ stelle Taanit 17b und Sanhedrin'22b, siehe ibid. die L. A. bei Raschi־.rund Ds, 8 Sanhedrin 89a.