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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 4
Article
Studien zur Redaktion des babylonischen Talmuds
Date
1929-01-01
Page
Seite 191 (sequence 8)
Language
German
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191 erhalten geblieben zu sein; sie liegt wahrscheinlich in folgender Stelle aus b. k. 117 b vor: ההוא דאחוי אמטכסי דרבי אבא יתיב רבי אבהו ורבי חנינה בר פפי ורבי יצחק נפחא ויתיב רבי אילצא גבייהו סבור לחיוכיה 1מהא דתנן דן את הדין ובו׳ א״ל רבי אילצא הכי אבר רב והוא שנשא ונתן ביד אמרי ליה ויל לגבי דר״ש בן אלקים וכר. Danach liegt die Annähme nahe, daß auch die Quelle R. Chisdas der Ausspruch Rabs war: R. Chisda, der Schüler Rabs und begeisterter Verehrer seiner Worte1 2, kannte auch dessen Bemerkung zur Mischna Bechoroth והוא שנשא ונתן ביל, und als die דמיה bei der Mischna in Sanhedrin aufgeworfen wurde, benützte er diesen Ausspruch, übertrug ihn in gewissem Sinne auch auf die Mischna in Sanhedrin und erweiterte ihn zum Satze כאן שלא נטל ונתן ביד כאן שנטל ונתן ביד. Was nun die stilistischen Varianten betrifft, so ist wohl die markanteste נשא ונתן statt נטל ונתן, und man kann sagen, daß überall, wo der R. Ilaasche Text auftritt — der Text R. Chisdais steht nur an unserer Stelle3 —, konsequent נשא ונתן gelesen wird. Da wir in diesem Teile der Suggia ohne Zweifel auf zwei verschiedene' Quellen zurückgehen müssen, so liegt es fast auf der Hand, daß diese Variante auf Rechnung der Quellen zu setzen ist4. Den Kernpunkt des Problems stellt die Frage dar: Ist auch die Fortsetzung in beiden Traktaten von בשלמא חייב את הוכאי an auf zwei grundverschiedene Quellen zurückzuführen, d. h. stehen die beiden Traktate in gar keiner Beziehung zueinander, oder haben wir hier zwei verschiedene Versionen ein und desselben Textes vor uns; oder ist gar der eine vom zweiten benutzt worden. Die Kongruenz der Texte in diesem Teile ist trotz der Varianten so auffallend, daß man die Beziehung zueinander schwer in Abrede stellen kann. Ist aber ein Text vom zweiten benutzt worden, so muß die Möglichkeit einer Benutzung vorhanden sein. Bechoroth kann schwerlich Sanhedrin benutzt haben, denn es wäre zwar verstündlich, weshalb das Stück von אלא מתניתין דקתני an fehlt — nämlich, weil es sich einzig und allein auf die Mischna in Sanhedrin bezieht — aber unerklärt bliebe, warum die Antwort כיון דאמר פטור אתה כמו שנטל ונתן ביד דמי weggelassen wurde ל— etwa bloß, um den Weg für die Antwort Rabinas freizumachen? Denn kennt Bechoroth diese Antwort und ignoriert sie, weil sie durch die Mischna in Sanhedrin nicht aufrecht erhalten werden kann, so wäre dies eine Kürzung und Zurechtmachung des Textes, die man dem Talmud 1 Vgl. auch Baba Kama 100a. 2 Vgl. Sabat 11b und Raschi z. St. 3 Die Texte B. K. 100a und 117b mit der Stelle aus Bechoroth bilden eine Gruppe, daher in allen נשא statt נטל. B. K. 100a hat wohl ינטל jedoch auch dort dürfte die richtige L. A., die Raschis sein, der auch dort נשא liest, vgl. ibid. Raschi z. St.; Ds verzeichnet keine Varianten. Merkwürdigerweise hat R. Ghananel auch in Sanhedrin נשא וגחן• Ds z. St. verzeichnet jedoch gar keine Variante. Es ist daher wahrscheinlich, daß wir es bei R; Ghananel nicht mit einer anderen L. A., sondern einer stilistischen Eigentümlichkeit des Autors zu tun haben, denn die gebräuchlichere Phrase ist;נשא ונתן נטל ונתן kommt nur äußerst selten vor, vgl. noch Baba Mezi’a 71b: ינטל Raschi ibid.: נשא. 4 Siehe oben S. 185, Anm. 4; S. 189, Anm. 2.

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