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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 178

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 4
Article
Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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178 wurde im benachbarten damals gleichfalls polnischen Weißrußland den Juden von ihren Feinden vorgehalten, daß sie ,,die Sakramente in Pacht nehmen, gegen ihren Willen und ohne ihren schriftlichen Bescheid an den Küster kein einziges Kind der Taufe zugeführt werden kann“ (Dubnow a. a. O.). Die polnische Regierung und die Behörden sowie die Magnaten dachten aber anders als der Senior und sein Berichterstatter. Sie setzten gegen die Bauern reguläre Truppen in Bewegung, die sie in die Flucht schlugen, und hielten über sie blutiges Gericht. Charakteristisch ist auch ein Brief des Lissaer lutherischen Geist״ liehen und Konrektors am dortigen Gymnasium Chodowiecki an den Gothaer Polyhistor Tentzel aus dem Jahre 1693 (S. 125 f.): ,,Was mein hochgeehrter Herr von dem H. Wagenseil (dem bekannten Professor in Altdorf) erinnere, daß er es den Juden mit Ungebühr will nachgeredet haben, als sollten sie proprie des Christenblutes so begierig sein .... Doch sofern H. Wagenseil nur in unser Polen einen genauen Blick tun sollte, dürfte er es mehr als zu wahr befinden.“ Aus den Briefen des Konrektors ist auch die erhebliche Bedeutung des bereits bekundeten jüdischen Münzhandels in Polen ersichtlich. Altes römisches Geld nannten die Lissaer Juden ״Mauerköpfge“, eine Bezeichnung, die, so weit ich sehe, in der polnischen Münzkunde unbekannt zu sein scheint1. — Heft 13 berichtet (S. 167) aus archi״ valischen Quellen über das 1656 im Schwedenschrecken angerichtete Judengemetzel in Xions im Posenschen, das möglicherweise eine der zwei Märtyrerstädte ist, die hinter den Namen ווטיץ und פוץ sich verbergen und der Identifizierung spotten2. — Archivalischem Material entnommen3 ist auch die Abhandlung in Heft 15 dieser Zeitschrift von Daniel Lewin ,,Das Kurniker Judenprivileg vom Jahre 1715“. Die Urkunde gewährt ziemlich umfangreiche Freiheiten und ist vom Herausgeber mit instruktiven Erläuterungen versehen worden. Gleichfalls archivalischer Quelle entstammt die auffallende Nachricht (S. 170), daß die Lissaer Töpferzunft 1714 das Verbot der Heirat von Jüdinnen erließ. Auch in den ,,Deutschen Blättern in Polen“, Posen 1927/8, finden sich vielfach Nachrichten über Juden. Am Weichselh a n d e 1 im 16. Jahrhundert (IV 449) durften sie nur im Dienste polnischer Adliger und als Faktoren tätig sein. Ihr Anteil am Weichselverkehr war gering, nur bei Wachs und Asche waren sie beteiligt. Das kann deshalb nicht überraschen, weil der Adel jede Konkurrenz auszuschalten sich bemühte. Selbstverständlich waren sie auch aus dem zunftmäßig organisierten Posener Buchh a n d e 1 ausgeschlossen und kommen hier nur als Gläubiger von Buchhändlern vor (V 215). Der als solcher Gläubiger 1561 genannte 1 Vgl. Kirnais, Einl. in d. poln. Münzkunde in Zeitschrift der hist. Gesellsch. f: d. Prov. Posen V 312 ff., IV 360, 363, 366 f., XXVII 230, Lewin, Neue Materialien z. Gesch. der Vierländersyn. II 4 (Jahrbuch d. jüd.-lit. Ges. III 80), Ozar Yisrael IV 200. , 2 Lewin, Die Judenverfolg, im 2. schwedisch-polnischen Kriege, Posen 1901, S. 11. 3 Archiv der jüd. Gemeinde Kurnik, jetzt Handschrift Nr. 35 meiner Sammlung.

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