Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- 177 (sequence 1)
- Language
- German
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Aus ostjüdischer Geschichte IV1. Von Louis Lewin in Breslau. Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen, Sonderheft anläßlich des 50. Geburtstages von Prof. Dr. Manfred Laubert, Posen 1927. Manfred Laubert, Studien zur Geschichte der Provinz Posen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dem gefeierten Geburtstagskinde verdankt nicht nur die allgemeine deutsche Ostgeschichte bedeutsame literarische Beiträge sondern auch die jüdische, u. z. fast durchweg solche, die aus bisher unbekannten archivalischen Quellen fließen. Im Rahmen des vorliegenden Sonderheftes kommt der Verfasser (S. 120—179) auf ,,das Niederlassungs- und Grundstückserwerbrecht der Juden“ zu sprechen. Er gibt weit mehr, als der Titel verspricht; Bevölkerungstatistisches, Kulturgeschichtliches, Abwanderungen und Niederlassungen, Gewerbe und Künste, politische Kämpfe und Gemeindegeschichte sowie der Werdegang vom Schutzjuden zum Staatsbürger kommen, zur Behandlung. Unbekannt war bisher, daß der Gemeinde L i s s a, der zweitgrößten im Lande, ,,ihr wiederholtes Gesuch, einen Gelehrten Lorbeerbaum als Oberrabbiner anzunehmen, 1825 (vom Minister des Innern Schuckmann) abgelehnt wurde“. Es handelt sich hier um keinen geringeren als R. Jakob Lissa, den vielbewunderten ,,Lissaer Raw“, der dort von 1809—21 amtierte, plötzlich nach seiner galizischen Heimat zurückkehrte und wiederum das bereits vor Lissa innegehabte Rabbinat in Kalusz (nicht Kalisch!) übernahm. Die Trauer um seinen Weggang war im Posenschen ebenso groß (Jahrbuch d. jüd.-lit. Gesellsch. III 34, Lewin, Gesch. d. Juden in Lissa S. 218) wie die Freude über seine Heimkehr in. der Heimat (RGA מהריאץ ענדל, Lemberg 1882, Nr. 1). Aus der Statistik, sei herausgehoben, daß in den Jahren 1820 bis 1828 in Gesamtpreußen unter etwa 147 Juden sich einer zum Christentum bekehren ließ, im Posenschen erst einer unter 682, ein glanzvolles Zeichen jüdischer Charakterstärke. In Heft. 12 dieser Zeitschrift veröffentlicht der Kirchenhistoriker des Ostens Th eodor Wotschke interessante Briefe des lutherischen Lissaer Seniors Thomas. Ein solcher vom Jahre 1744 (S. 85) ergänzt die bisher durch Dubnow (Weltgesch. d. jüd. Volkes VII138 f.) bekannt gewordenen Mitteilungen über Judenverfolgungen in Weißrußland durch parallele bisher unbekannte Nachrichten aus Litauen: ,,.. . Die eigentliche Quelle (der Empörung gegen die Juden) ist die seltsame Verpachtung der geistlichen Gefälle an die Juden. Denn es ließ sich die Klerisei auf bemeldeten Gütern den ansehnlichen Nutzen belieben und verpachtete, ebenfalls den beschnittenen Dieben ihre Parochialeinkünlte dergestalt, daß kein Bauer taufen, trauen oder begraben lassen konnte, er mußte denn vorher vom Pacht juden einen Zettel aufweisen, daß er die von demselben begehrte Stoltaxe bei ihm entrichtet habe. . . Hinc laesa rusticorum patientia, inde lacrimäe et effusio sanguinis judaici... 23. September 1744.“ Ebenso 1 Vgl. MGWJ 1926 S. 5ל ff., 1928 S. 6 ff., 337 ff. Monatsschrift, 73. Jahrgang. 1?