Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 5)
- Language
- German
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162 christlichen''Theologie gegen das Judentum fort. Guttmann nimmt zu ibinv wie schon erwähnt, in dem letzten und umfangreichsten Abschnitte seines Buches Stellung. Hier greift er unmittelbar in die modernen Kernfragen der Apologetik ein und behandelt die gleichen Punkte, die in der unmittelbarvoran gegangenen Generation Josef Bloch, David. Hof fmarm, Moritz Güdemann, Josef Eschelbacher und andere jüdische Apologeten erörtert haben. Freilich betrachtet er sie einheitlich im Rahmen des Grundgedankens, dem sein ganzes Buch'gewidmet ist. Unter den Ueberschriften ,,Heidnische Aussprüche und Urteile“, ,,Polemische Zitatenwahl (Eisenmengerianismus)“, ,,Enteignungen und Gegensatzbildungen“, ״Wo steckt der Fehler?“ und endlich ״Der jüdische Rachegott“■ setzt er sich mit vielen der Angriffe auseinander, die von kätliolischer und protestantischer Seite, namentlich von den Theologen, gegen das Judentum gerichtet werden. Aus diesem Teile, aber auch aus den früheren, sei als besonders interessant und wichtig hervorgehoben der Abschnitt über die jüdische Auffassung vom Christentum und über die Frage, inwieweit im Talmud Christus erwähnt wird (S. 150 ff.), dann die Erklärung des viel angefochtenen Wortes von R. Simon b. Jochai ״Ihr werdet Adam genannt, nicht aber werden die Heiden Adam genannt“ (S. 180), endlich die Erklärung des Satzes Samuels B. b. 54b: ,,Die Güter eines Heiden sind wie Wüste“. Ueberraschende Gesichtspunkte liefert die Heranziehung der neueren kirchengeschichtlichen Literatur, die oft ohne weiteres die stark angegriffenen Ausführungen der jüdischen Quellen rechtfertigen. So stellt einmal Maimonides in seinem Mischnakommentar die Christen den Heiden gleich. Guttmann weist zur Erklärung darauf hin, daß hier Maimonides nicht aus dem Talmud, überhaupt nicht aus dem jüdischen Schrifttum, sondern aus der Gedankenwelt des Islam schöpfendem jede Beilegung des Attributes der Göttlichkeit an ein Wesen außer Allah als ein schwerer Verstoß gegen die Anerkennung der Einheit Gottes galt. Er zieht als Gewährsmann für Maimonides Harnack heran, der in seiner Dogmengeschichte das Gleiche sagt: ״Der Islam, der über diese Gebiete im Sturm gefahren ist, war ein wirklicher Retter; denn trotz seiner Dürftigkeit und Oede war er eine geistigere Macht als die christliche Religion; die im Orient nahezu die Religion des Fetischs, des Amuletts und der Zauberer geworden ist, über welchen das dogmatische Gespenst, Jesus Christus schwebt“ (S. 155). Ueberhaupt liegt ein besonderer Wert von Guttmanns Werk in den ausgezeichneten Zitaten aus dem weiten Gebiete der religionswissenschäftlichen Literatur alter und neuer Zeit, die er mit glücklichem Blick gefunden hat. Sie machen sein Buch zu einer Fundgrube wertvoller apologetischer Dokumente. Im Kampfe •der Religionen und Weltanschauungen gegeneinander gilt das wahre Wort Max Müllers (S. 280): ״Kein Richter, wenn er den schlimmsten Verbrecher vor sich hätte, könnte ihn schlechter behandeln, als die meisten Historiker und Theologen die Religionen der Menschheit behandelt haben“. Guttmann weist in seinem Schlußwort darauf hin, welchen Schaden diese Methoden gerade der Religion, die sie verteidigen wollten, zugefügt haben (S. 373 ff.). Gewiß hat die wissenschaftliche Arbeit mit ihrer schonungslosen Kritik das Gebäude des Glaubens erschüttert. Aber in dieser zunächst zersetzenden und zerstörenden Arbeit liegt doch ein kostbarer sittlicher Wert eingebettet, die rückhaltlose Liebe zur Wahrheit und die Bereitschaft* jedes Ergebnis und jeden Gedankengang zu revidieren und zu widerrufen, wenn es sich herausstellt, daß sie der logischen oder tatsächlichen Wirklichkeit widersprechen. Die Wissenschaft wendet sich mit ihrer unerbittlichen Prüfung auch gegen sich selbst, und auf diesem Wege heilt sie selber viele Wunden, die sie-