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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 160

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 160 (sequence 3)
Language
German
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160 gebildet worden, noch ehe die Probleme aufgetaucht waren, die die Folgezeit und namentlich das Christentum dem Judentum gestellt hat; sie hat aber ihm und darüber hinaus der Menschheit den Weg in schweren Konflikten gewiesen. Ihre Bedeutung für die Zukunft war noch größer als ihre aktuelle und historische Wirksamkeit. ,,So gewaltig auch der Umschwung war, den die Menschheit an der Schwelle des Altertums erfahren hat,׳so neu auch die Typen des Religionslebens waren, das auf den Ruinen einer untergegangenen Welt sich emporgekämpft hat, so war doch in den alten jüdischen Quellen, begrifflich wenigstens, alles das gegeben, was zu einer Orientierung in einer neu entstandenen Welt eifrigen, sturmbewegten Glaubens notwendig war“ (S. 154). Die religiöse Anerkennung der gesamten Menschheit führte dann über das Recht des alten jüdischen Staates und die Anerkennung des Nochri und des Ger zu einer großartigen religiösen Konsequenz. In dem Abschnitt ,,Das Heil der Völker“ (S. 158—194) stellt Guttmann jenen jüdischen Grundsatz dar, den Maimonides so formuliert: ,,Wer die sieben Gebote derNoachiden auf sich nimmt und sie einhält, gehört zu den Frommen der Völker und hat Anteil an ■der zukünftigen Welt.“ Selbstverständlich ist diese geistige und religiöse Freiheit und Weite nicht. Guttmann zitiert (S. 279) das athanasianisclie Symbolum, das im Gegenteil festsetzt: ,,Wer das Heil erlangen will, muß vor allem an dem katholischen Glauben festhalten.“ Auch an das Christentum war die schicksalsschwere Frage herangetreten, inwieweit seine Lehre alle Menschen verpflichte oder nur die Christen. Die ersten Apostel hatten darauf die gleiche Antwort gegeben wie die Lehrer des Judentums. So deutet Guttmann den Beschluß des Apostelkonzils (Ap.-G. 15, 20, 28 ff.), den er durch den Hinweis auf eine außerkanonische Textgestalt noch höchst interessant erläutert (S. 105 ff.). Darnach haben die Apostel von den Gläubigen nur verlangt, ,,daß sie sich enthalten von Götzenopfern, von Unzucht, von Blutschuld, und daß sie keinem anderen zufügen, was sie selbst nicht wollen, daß ihnen geschehe“. ,,Inhaltlich entspricht dies noch genauer (als die kanonische Fassung) dem, was man in der Hauptsache unter den Noachidengeboten verstanden wissen wollte.“ So die Urkirche. Die große Wendung in der Stellung zur Umwelt überhaupt und zum Judentum insbesondere brachte aber schon Paulus. Sein Ziel war nach Guttmanns Auffassung die Begründung des Christentums als Weltreligion, sein Weg die Um- Wandlung des Judentums in eine universale Religion, sein Mittel die Beseitigung des Zeremonialgesetzes (S. 248). Daraus ergaben sich zwei Konsequenzen. Einmal der Kampf gegen das Gesetz: ,,Wenn es eine Gerechtigkeit gäbe durch das Gesetz, dann wäre Christus umsonst gestorben“ (Gal 221). Dann aber die Depossedierung des Judentums. Es wird zum ,,Israel dem Fleische nach“ degradiert, während die Christenheit als ,,das wahre Israel“ proklamiert wird. ,,Seid ihr aber des Christus, so seid i h r folglich Abrahams Same, Erben nach der Verheißung“ (Gal 329). Die ,,Enteignung des Judentums“, die hier zum ersten Male zu Tage tritt, ist eine Form des Kampfes gegen das Judentum, die die ganze seitherige Geschichte, namentlich die Kirchengeschichte, durchzieht. Guttmann hat ihr einen besonderen Abschnitt gewidmet (,,Enteignungen und Gegensatzbildungen“, S. 312—334), in dem er eindringlich dieses Phänomen betrachtet. Auch andere haben, von ganz anderen Voraussetzungen aus, darauf hingewiesen, so in jüngster Zeit Hans Blüher, der mit dürren Worten ausspricht, das Christentum habe am Judentum ,,Substanzraub“ begangen. Guttmann verwendet diesen Gesichtspunkt mit großem Glück zur Aufklärung schwieriger Stellen im Talmud, u. a. zu einer interessanten Erläuterung der

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