Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 2)
- Language
- German
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159 ת ach der Sintflut verkündet worden ist, in den noachidischen Geboten, die unsere Tradition im. Anschluß an das neunte Kapitel im ersten Buche Mose entwickelt hat. Der Horizont des Judentums umfaßt mithin die Menschheit. Eine besondere Ausprägung dieser allgemeinsten Offenbarung an alle Menschen ist die jüdische Gotteslehre. Neben diesem universalistischen Element der Religion kennt aber das Judentum noch ein partikularistisches. Denn im Gegensätze zum Gottesglauben beruht der Kultus auf geschichtlichen Erlebuissen in der Frühzeit, die, wie der Auszug aus Mizrajim, zur Grundlage der Gottes Verehrung des Volkes geworden sind. Der Kultus beansprucht daher nach jüdischer Auffassung Gültigkeit nicht für die gesamte Menschheit, sondern nur für die Bekenner der bestimmten Religion, aus der er erwachsen ist. Die Erfüllung der Grundforderungen der Sittlichkeit wird mithin von* allen Menschen gefordert, die Teilnahme am jüdischen Gottesdienste nur vom Juden. Die beiden logisch geschiedenen Elemente, das universalistische und das partikularistische, stehen sich aber in der Wirklichkeit der Geschichte iiicht fremd und nicht ohne Beziehung gegenüber. Im Gegenteil sind gerade die geschichtlichen Erlebnisse des Volkes Israel die Ansatzpunkte geworden, an denen die schönsten Forderungen einer Alle umfassenden Menschenliebe begründet werden. ,,Den Fremdling darfst du nicht bedrücken. Ihr kennt ja die Seele des Fremdlings, denn Fremdlinge seid ihr gewesen, im Lande Mizrajim.44 Die Konsequenzen dieser Unterscheidung von zwei Urbestandteilen sind groß. Sie ermöglichte zunächst im Rahmen des jüdischen Staates die Anerkennung der Landfremden, die nur die sieben Gebote der Noachiden anerkannten, am jüdischen Gottesdienst aber nicht teilnahmen. Guttmann stellt ihre Stellung im Staate und im ganzen altjüdischen Kulturleben in den beiden Abschnitten überden Auslandsfremden, den Nochri, und den Inlandsfremden, den Ger, dar (S. 20—65). Sie schuf ferner die Voraussetzung für die bedeutende jüdische Propaganda im ausgehenden Altertum, für jene starke Proselytenbewegung, die den Wirkungsbereich des Judentums weit über seine Ursprungliehen Grenzen ausdehnte. Sie ist für die Fragen, die mit der Aufnahme von Nichtjuden ins Judentum verbunden sind, selbst halachisch bis auf den heutigen Tag wichtig geblieben. ,,Die jüdische Traditionsliteratur“, stellt Guttmann S. 65 fest, ,,kennt keine Exegese, aus der sich ein Verbot ableiten ließe, irgendeinem Volksstamme den Weg zur jüdischen Religion zu versperren.“ Durch diese Anerkennung des Land- und Glaubensfremden hat das Judentum im Altertum schon eine Entwicklung angebahnt und vorweggenommen, zu der sonst die Menschheit den Weg erst nach schweren Kämpfen und Konflikten gefunden hat. ,,Daß der nichtisraelitische Einwohner Palästinas vom jüdischen Religionsgesetz aus unter dem Schutz des Gesetzes unbehelligt wohnen durfte im Lande und man von ihm nichts anderes fordern konnte, als die Einhaltung der sehr wenigen noachidischen Gebote, die frei von jeder konfessionellpolitischen Färbung sind, bedeutet religionstheoretisch nients anderes, als die Propagierung des ethischen Universalismus auf der breitesten Grundlage der Einheit des Gesamtmenschentums neben der grundsätzlichen und entschiedenen Wahrung des konfessionellen Partikularismus“ (S. 25ל). Noch wichtiger als diese faktische Toleranz ist aber die Idee der Uroffenbarung, mit der sie begründet wurde. Die sieben.noachidischen Gebote bedeuten im Judentum die Entdeckung einer allgemeinen, allmenschlichen Religiosität und die Anerkennung ihrer Bekenner ohne Rücksicht auf ihre spezielle Konfession oder ihren besonderen Kultus. Diese Idee der Noachiden ist vom Judentum aus-