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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 158

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 158 (sequence 1)
Language
German
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158 Besprechungen ]Das Judentum und seine Umwelt. Eine Darstellung der religiösen und rechtliehen Beziehungen, zwischen Juden und Nichtjuden mit besonderer Berücksichtigung der talmudisch-rabbinischen Quellen. Von Prof. Dr. Michael Guttmann. Erster Band: Allgemeiner Teil. Berlin, Philo-Verlag G. m. b. H., 1927. Die andersgläubige Umwelt stellt jede Religion vor ein schwieriges Problem. Jede behauptet den Besitz der Wahrheit, die doch nur eine sein kann. Der Andersgläubige aber bestreitet durch seine bloße Existenz diesen Anspruch. Der Gedanke liegt nahe, daß sich eine Religion selber aufgibt, wenn sie einen anderen Glauben als wahr und als berechtigt anerkennt und damit auf den Anspruch verzichtet, alleinseligmachend zu sein. Dieser Standpunkt wird in der Tat von der Kirche vertreten. Der katholische Apologet Schill, den Gutfcmann als einen der jüngsten Repräsentanten der katholischen Auffassung S. 278 zitiert, behauptet daher in ihrem Sinne ,,die Ungereimtheit und schwere Sündhaftigkeit der religiösen Toleranz, als ob alle oder mehrere Konfessionen vor Gott oder zur Erlangung des Heils gleichen Wert und folglich gleiches Recht hätten4‘. Mit einem Sonderfall dieses allgemeinen Problems, mit der Steilung des Judentums zur nichtjüdischen Welt, setzt sich Michael Guttmann in seinem großen apologetischen Werke auseinander. Er behandelt in dem ersten, vor Jahresfrist erschienenen Bande die Erage in einem weiten Rahmen. In drei Abschnitten ,,Prophet und Apostel41, ,,Kirchenuniversalismus“ und ,,Weltkampf und Weltgericht“ (S. 195—276) stellt er, weit hinausgehend über die Diskussion des jüdischen Standpunktes das Toleranzproblem nach der Lehre und der Praxis der Kirche dar. Damit gewinnt er zunächst einen Maßstab für die Beurteilung und Würdigung der besonderen jüdischen Lösung. Weiter bahnt er sich damit einen Weg zur Erörterung wichtiger Fragen aus dem Grenzgebiete, auf dem Judentum und Christentum in der Wirklichkeit Zusammenstößen. Denn zu der Umwelt, mit der sich die Kirche immer auseinander zusetzen hatte, gehörte von Anfang an das Judentum. Die Kirche bekämpft es noch heute mit den Waffen der Apologetik. ,,Auf offenem Schlachtfelde haben die Religionskriege ein Ende genommen. Das Feld moderner Kämpfe ist die Apologetik. Sie ist eine geistige Kriegs Wissenschaft, die wie jede Kriegswissenschaft auf Bekämpfung und Beseitigung außenstehender Mächte abzielt“ (S. 277, 280). So stellt sich denn Guttmann die Aufgabe, ,,die dem Judentum zugekehrte Front“ mit wissenschaftlicher Kritik zu prüfen. In seinem Werke verbindet sich daher die religionsgeschichtliche Aufgabe mit der apologetischen, die Darstellung der Lehre und Praxis des Judentums gegenüber den Nichtjuden, mit ihrer Vertretung gegenüber alten und neuen Angriffen. Dem zweiten Teile seiner Aufgabe dient vor allem der große Abschnitt XII ,,Alte Schule und moderne Polemik“ (S. 277—377). Die jüdische Lehre ruht auf dem Bekenntnis zu dem einzigen Gotte und zieht daraus die Konsequenzen für die ganze Menschheit. Gibt es nur einen Gott, so kann es auch nur eine Menschheit geben. An die ganze Menschheit ist eine Uroffenbarung ergangen. Sie findet ihren Ausdruck in jener Gesetzgebung, die den Söhnen Noahs, den Stammvätern der Menschheit,

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