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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 153

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 3
Article
Die literarische Form der Patriarchenbiographien des Philon von Alexandrien
Date
1929-01-01
Page
Seite 153 (sequence 11)
Language
German
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163 Biographische Form. Rein formaler Aufbau. Rein formal erinnert die Biographie im allgemeinen an das Schema der alexandrinischen Gelehrten bzw. Sue.tons,d. h. Philon disponiert den Stoff nach sachlichenRubriken. Doch bestehen einige beträchtliche Abweichungen: Es fehlt die Rubrik ,,privates Leben“. Vor allem wird nicht nur A und C sondern auch B I, welches die Hälfte des Werkes bildet, in chronologischer Reihenfolge erzählt (abgesehen von den sachlich gruppierten zehn Plagen). Man könnte daher mit dem nämlichen, Rechte sagen: Philon wollte ursprünglich das Leben des Moses in chronologischer Reihenfolge nach dem Vorbilde der Peripatetiker (Aristotelesschüler) oder des Plutarch schildern. Da jedoch in der Erzählung einseitig die politischkriegerischen Taten des Moses berücksichtigt sind, so mußte das Bild des Helden vervollständigt werden. Dies geschah am bequemsten durch rubrikartige Anfügung der bisher unberücksichtigt gebliebenen Betätigungsarten nach dem alexandrinischen Schema in Form sachlicher Rubriken. Auch innerhalb der einzelnen Abschnitte B II, III und IV ist der Grundsatz der sachlichen Einteilung vorherrschend. Großenteils war sie wohl in Teil B II durchgeführt. Dort sind zunächst die äußeren und inneren Gründe für die Vortrefflichkeit der Gesetzgebung dargelegt (2, §§ 12—44, 45—65); dann waren wahrscheinlich in einem jetzt verlorenen Abschnitt die Gebote behandelt. Zuletzt allerdings waren wohl die Vorgänge am Sinai in einfacher, zeitlicher Ordnung erzählt. — Nicht ganz entspricht Teil B III dem reinen alexandrinischen Schema. Nach der Beschreibung des Heiligtumes in sachlicher Gruppierung 2, §§ 71—140 werden die sich anschließenden Ereignisse zeitlich berichtet 2, §§ 141—186. — Am reinsten ist das sachliche Prinzip in Teil B IV durchgeführt. Freilich ist es ein Zeichen lockerer Komposition, wenn in Teil B IV drei Prophezeiungen mit ihren Episoden aus Teil B I wiederholt werden. Panegyrische Anklänge: Leise Anklänge an die schulmäßige, verherrlichende Charakteristik (den rhetorischen Panegyrikus) bieten die kurzen Tugendaufzählungen zu Beginn neuer Teile. Der Jüngling Moses wird in Buch 1, §§ 25—30 und 47—50 gepriesen, der Herrscher in 1, §§ 148—154 (vor Teil B I Hauptschilderung), der Gesetzgeber in 2, §§ 9—11 (vor־ Teil B II), der Oberpriester in 2, §§ 67 bis 69 (vor Teil B III). Alle diese Charakteristiken beziehen sich also nur auf das j eweils behandelte Betätigungsfeld des Moses; sie sprengen daher keineswegs den Aufbau der Vita nach sachlichen Rubriken. Innerer, inhaltlicher Aufbau. Ebensowenig wie die formale Disposition der Vita bietet auch ihr inhaltlicher Aufbau ein folgerichtig durchgeführtes, einheitliches Bild. Es kreuzen sich auch in dieser Beziehung die Einflüsse mannigfacher biographischer Gattungen. Die Häufigkeit und ungemein breite Behandlung der Wunder lassen unsere Vita streckenweise als eine einfache aretalogische Wundersammlung nach dem Beispiel volkstümlicher Wundertäterlegenden erscheinen, in der die wirkliche Persönlichkeit des Moses gänzlich hinter den Wundern verschwindet.

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