Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die literarische Form der Patriarchenbiographien des Philon von Alexandrien
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 8)
- Language
- German
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150 in den Hintergrund rückt. Der Bericht in Gen. Kap. 42 bis 47 hätte nur Quelle,,nicht Vorbild werden dürfen, da er ja eine allgemeine Geschichte der Familie Jakobs beabsichtigt. Erst wenn diese Abschnitte, die den Rahmen der Lebensgeschichte Josephs großenteils sprengen, 'ausgeschieden wären, würden wir eine richtige Darstellung der glanzvollen Höheperiode Josephs erhalten. Im I. Hauptteil stören die verhältnismäßig ausführlichen, nach den Regeln der rhetorischen Kunst ausgearbeiteten Reden, die großenteils sich in die Situation nicht gut einfügen, z. B. §§ 18—21; 23—37; 42—48. Dadurch erhält die Biographie ein stark rhetorisches Gepräge. In der eigentlichen griechischen und hellenistischen Biographie finden sich nur kurze Aussprüche (Apophthegmen); größere, kunstvolle Reden werden hingegen in den Werken über allgemeine Staatengeschichte den leitenden Persönlichkeiten in den Mund gelegt. Es liegt also hier eine Entlehnung aus einer anderen literarischen Gattung vor. Freilich kamen Philon diese Mängel seiner Biographie wohl infolge, seiner eigentümlichen Auffassung seines Werkes nie zu Bewußtsein. Denn er wollte ja aus den nämlichen Gründen wie bei der Vita des Abraham auch hier in erster Linie eine philosophische Belehrungsbiographie schreiben. Gehört ja doch unser Buch ebenfalls zu der großen zusammenhängenden Schriftenreihe, über den Pentateuch. Es geht sogar unmittelbar dem III. Hauptteil des Zyklus voraus, der die eigentliche Gesetzgebung, vor allem den Dekalog zu behandeln die Aufgabe hatte. Allegorie. Immerhin läßt Philon erfreulicherweise hier schon äußerlich das eigentlich biographische Element nicht mehr so stark zurücktreten wie in der Vita des Abraham. Im I. Teil stehen 162 erzählenden Paragraphen nur 69 allegoiisierende Paragraphen gegenüber; in II fehlen letztere ganz. Zudem sprengen hier die allegorischen Erklärungen — abgesehen von §§ 151—156 — keineswegs als Wesensfremde Bestandteile die Biographie; im Gegenteil werden erst durch sie mehrfach die betreffenden Begebenheiten unter den richtigen Gesichtspunkt der Aufstiegsbiographie gerückt. §3. Biographie des Moses. Im Gegensätze zu den beiden Viten des Abraham und Joseph, die für jüdische Leserkreise bestimmt waren, schrieb Philon die Biographie des Moses für die gebildeten heidnischen Griechen. Skizze des Aufbaus• Buch 1, § 1—4 (abgekürzt 1, §§ 1—4) enthält die Vorrede. A. Zeit der allmählichen Entwicklung des Helden. I. Entwicklung zum weltlichen Philosophen (vgl. Buch 2, § 2) am ägyptischen Hofe. Abstammung, erste Jugendzeit 1, §§ 5—7 und 8—19; Naturanlagen § 20; wissenschaftliche Ausbildung §§ 21-24; Sittenreinheit §§ 25—30. [Diese Charakteristik wird später 1, §§ 148 bis 154 (Tugenden als Herrscher) ergänzt; spezielle Nachträge handeln ferner noch über seine Haupttugenden als Gesetzgeber und als Priester 2, §§ 9—11, und 2, -§§ 67—69.] — (Philosophische Askese in der Wüste 1, §§ 47—50.]