Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 3
Article
Die literarische Form der Patriarchenbiographien des Philon von Alexandrien
Date
1929-01-01
Page
Seite 148 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829959-2829962-2835246--48962-2835319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

148 Ereignis noch eigens in äußerst eingehender Weise nach seiner allegorischen Bedeutung besprochen (vgl. oben die mit ,,bzw.“ angeführten Paragraphennummern). Diese allegorischen Darlegungen nehmen einen so breiten Raum ein, daß sie die Form der regelrechten Biographie geradezu sprengen. Den 96 bzw. (einschließlich des Sodomexkurses) 110 erzählenden Paragraphen stehen mehrere alle■־ gorisierende Abhandlungen in einem Gesamtumfange von 88 Paragraphen gegenüber. So erscheint die Vita des Abraham in ihrer inhaltlichen Besonderheit hauptsächlich als eine philosophischtheologische Belehrungsbiographie. Diese Biographie war eben für bibelkundige Juden geschrieben. Für diese brauchte Philon das wirkliche Leben nicht noch einmal aufzuzeigen; so mußte sie vor allem religiös erbauen; dies gelang ihm nach dem damaligen Zeitgeschmacke am wirkungsvollsten dadurch, daß er die Patriarchen umdeutete als Verkörperungen religiös-ethischer Begriffe und des ungeschriebenen Naturgesetzes, als die Urbilder, zu denen die Gesetze bloße Abbilder und Kommentare sind (Abr. § 3, 4). § 2. Lebensbeschreibung des Joseph. Trotz mancher kleineren Berührungen mit dem Leben Abrahams stellt die Vita des Joseph voll künstlerischer Abwechslung schon auf den ersten Blick einen ganz andersartigen, selbständigen literarischen Typus hinsichtlich der biographischen Form dar. Skizze des Aufhaus. I. A11 m ä h 1 i c h e V o r b e r e i 111 n g Josephs zum vollkommenen Staatsmann in einzelnen Stufen: a) Joseph als Flirte (Hinweis auf die Bezeichnung des Herrschers als ,,Hirte der Völker“) §§ 2—4. b) Vorzeichen für die künftige Laufbahn: Traum betreffs seiner Herrschaft über Vater und Brüder §§ 5-—10; Etymologie seines Namens: Joseph -Zusatz; d. h. der Staatsmann stellt ebenso eine Ergänzung zum weisen Weltbürger, dem Philosophen dar wie die Gesetze der Einzelstaaten zum Weltgesetz der Natur §§ 28—36. — c) Joseph als Hausverwalter bei Putiphar; da das Haus als ein Staat im kleinen erscheint, ist die Verwaltung von Haus und Staat grundsätzlich das gleiche, höchstens im Umfang der Pflichten verschieden §§ 37 bzw. allegorisch 38—39. — d) Standhaftigkeit und Enthaltsamkeit gegenüber seiner Herrin, somit Unempfindlichkeit gegen Liebesverhältnisse und Weiberlist, aus denen die meisten Kriege entstehen §§ 40—53 bzw. allegorisch 54—57. Allegorische Deutung tieferer Art §§ 58—79: freimütiger Widerstand des wahren Staatsmannes gegen die Begierden des Pöbels, denen der Demagog schmeichelt. — e) Oberaufsicht über das Gefängnis; sittliche Besserung der Sträflinge §§ 80—87, bes. ab 85. — f) Deutung der Träume der Hof beamten und des Königs §§ 88—98 und 99—109. — g) Ratschläge zur Abwehr der Hungersnot §§ 110 bis 115; Einsetzung als Landesverweser §§ 119—124; gemäß der Allegorie §§ 125—150 ist ja der Staatsmann eigentlich auch bloß ein Traumdeuter, da sein Arbeitsfeld; das menschliche Leben, nur ein Traum der Wachen ist. §§ 151—158 weitere allegorische Deutung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.