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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 147

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 3
Article
Die literarische Form der Patriarchenbiographien des Philon von Alexandrien
Date
1929-01-01
Page
Seite 147 (sequence 5)
Language
German
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147 einer schulmäßigen Charakteristik (d. h. einen rhetorischen Panegyrikus) dar. Daneben kennzeichnet auch die Verwendung einzelner panegyrischer Gemeinplätze (Topen) aufs deutlichste, daß hier eine echte Verherrlichungsschrift vorliegt. So finden sich eine Seligpreisung von Abrahams -Haus (Eudaimonismos) § 115 sowie ein Vergleich (Synkrisis) der Opferung Isaaks mit ähnlichen Handlungen §§ 178—199. Auch eine inhaltliche Besonderheit der Biographie erklärt sich ohne weiteres aus ihrer panegyrischen, der Verherrlichung dienenden Tendenz. Das Buch behandelt nämlich merkwürdigerweise nicht die ganze Lebensgeschichte Abrahams. Abgesehen von Lots Schicksal in Sodom (Gen 19) fehlt besonders die weitere Entwicklung des Verhältnisses zwischen Sara und Hagar (Gen 16 und 21), ferner die Episode mit Abimelech (Gen 20 u. 2122-33). Philon ließ diese Episoden sicherlich deshalb weg, weil sie das sonst so glänzende Bild des vollkommenen Abr. zu verdunkeln drohten. Eine solche gewaltsame Beschränkung des Themas auf rühmliche Taten ist echt panegyrische Verherrlichung. — Ein für die eigentliche Biographie überflüssiger geschichtlicher Exkurs ist die wundererfüllte Erzählung über das göttliche Strafgericht an den Sodomiten §§ 133—146. Innerer, inhaltlicher Aufbau: Ein durchgehender Aufstieg von niederen zu höheren Tugenden findet nicht statt. Die Tugenden sind bloß in rhetorisch wirkungsvoller Hervorhebung an geordnet. Philon stellt die Frömmigkeit als die höchste und wichtigste Tugend (vgl. § 60) an die ehrende erste Stelle. Dann behandelt er die weltlichen Tugenden und zuletzt als Steigerung hiezu ,,die Königin der Tugenden" (vgl. § 270) das Gott vertrauen, hierauf die Weisheit und ,,als krönendes Ende" (vgl. § 275) den Gesetzesgehorsam1. Eine ähnliche rhetorische Hervorhebung findet innerhalb der einzelnen Hauptteile (besonders in I) statt. Während in den neupythagoreischen und neuplatonischen Philosophenbiographien sowie in den christlichen Heiligenlegenden das wundererfüllte Verhältnis zur Gottheit die höchste Stufe darstellt, bilden hier offenbar die in der Bibel ausdrücklich gerühmten wunderlosen religiösen Tugenden einen rhetorischen Höhepunkt. Die erzählten sechs Wunder sind demnach keineswegs für den künstlerischen Aufbau der Gesamtvita notwendige Glieder. Die Wundereinfügung erfolgt wie in den schlichten aretalogischen Wunderlegenden rein aus stofflichen Gründen. Freilich sind die Mirakel nicht, wie so oft sonst, förmliche Exkurse und Fremdkörper, sondern sie stehen durchwegs als Belohnungen bzw. Strafen mit den erzählten Ereignissen in ungezwungenern, begründetem Zusammenhang. Allegorische Einlagen. Die eigentliche Lebensgeschichte ist recht knapp, ja, wie wir feststellten, noch dazu lückenhaft behandelt. Hingegen wird jedes 1 Freilich hält Abraham alle,Gesetze ,,nicht durch Schriften belehrt, sondern ohne Schrift von der Natur“. Vgl. über diese Vorstellung und ihr Verhältnis zu den Anschauungen der Apokryphen und des Midrasch I. Heinemann, Die Lehre vom ungeschriebenen Gesetz, Hebrew Union College Annual IV149ff 10*

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