Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die literarische Form der Patriarchenbiographien des Philon von Alexandrien
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
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146 wie bei Abraham oder durch natürliche Anlage wie bei Isaak oder durch Uebung wie bei Jakob erworben wird. Skizze des Aufbaus. I. Beispiele für Ab raha m.s Frömmigkeit: a) Auswanderung des Abr. von Ur aus Abscheu vor der Gestirns- Verehrung §§ 60—67 bzw. (in allegorischer Umdeutung) 68—88; wunderbarer Schutz der Ehe des Abr. als Belohnung hierfür §§ 89—98 bzw. allegorisch 99—106. b) Vor der Fortsetzung der Frömmigkeitsschilderung in §§ 167 ff. ist ein ausführliches Kapitel über die Gastfreundschaft des Abr. gegenüber den drei Wanderern eingeschoben §§ 107—118 und 133—146 bzw. allegorisch 119—132 und 147—166. Die Einfügung wird äußerlich dadurch begründet, daß die Gastlichkeit Abrahams der eben erwähnten Ungastlichkeit der Aegypter § 89 ff. gegenübergestellt wird; ferner innerlich dadurch, daß die Gastfreundschaft als Beiwerk der höherstehenden Tugend der Frömmigkeit erklärt wird, zumal da sie gegen Boten Gottes geübt wird, also auch ein Beweis für die Gottesfurcht ist § 114. Zur Belohnung hierfür zeichnet Gott den Erzvater mehrfach aus: 1. durch die Weissagung der Geburt eines Sohnes §§ 110—112; 2. durch zwei weitere Wunder, indem unkörperliche Wesen ihm sichtbar erscheinen und außerdem scheinbar, doch nicht wirklich essen §§ 117—118; 3. durch ethische Vervollkommnung § 116. — Diese Episode wird durch die Ausführlichkeit der Schilderung und die Betonung des Wundercharakters offensichtlich als besonders bedeutungsvoll hervorgehoben. c) Als Gipfelpunkt der ‘ Frömmigkeit Abrahams erscheint die Bereitwilligkeit zur Opferung des einzigen Sohnes §§199—167׳ bzw. allegorisch 200—207, auch hier eine Wunderbelohnung § 176. II. Abrahams weltliche Tugenden: a) Sein gerechtes, friedfertiges und freundliches Benehmen gegen die Mitmenschen: gegen seine Diener §§ 208•—:210, gegen seinen Vetter Lot §§ 211—216 bzw. allegorisch 217—224 (vgl. auch die folgende Episode). b) Seine Kriegstüchtigkeit und Tapferkeit bei der Befreiung Lots durch Kampf §§ 225—235 bzw. allegorisch 236—244. c) Nach einem kurzen Lebensbild seiner Gattin §§ 245—254 Hinweis auf seine stoische Seelenruhe bei ihrem Tod §§ 255—261. III. Tugenden, welche die Bibel selbst ausdriicklich rühmt, so daß sie nicht mehr durch Einzelzüge belegt zu werden brauchen: a) Sein Vertrauen auf Gott, nicht auf äußere Güter §§ 262—269. b) Seine Einsicht und Weisheit. c) Seine Beobachtung des Gesetzes und der Gebote infolge Belehrung durch die Natur. Biographische Form, Bein formaler Aufbau: Die Biographie ist formal nach Tugenden angeordnet und stellt daher eine Lobschrift in der Form