Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die literarische Form der Patriarchenbiographien des Philon von Alexandrien
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 3)
- Language
- German
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145 Gerüst des tatsächlichen Lebens verlauf es ist nur dürftig. Durch ganze Häufungen von Wunderberichten wird der Zusammenhang der Erzählung über das Leben auf weite Strecken hin unterbrochen (vgl. Reitzenstein, Hellenistische Wundererzählungen). III. Die Biographie übernatürlichen Aufstiegs. Hier wird geschildert: 1. eine stetige asketische, sittliche Vervollkommnung, 2. das Anwachsen des Bereiches der Wirksamkeit über immer mehr Länder, 3. die Steigerung der Wunderkraft von anfangs spärlichen passiven Wundern, die der Heilige an sich von außen her erfährt, zu immer zahlreicheren aktiven Mirakeln, die der Heilige selbständig wirkt (vgl. Holl, die schriftstellerische Form des griech. Heiligenlebens). IV. Die Biographie natürlichen Aufstiegs. Der Held erzielt fortschreitende Erfolge hinsichtlich eines einheitliehen, auch rein irdischen Zieles. Das älteste uns erhaltene Beispiel für eine solche Vita ist Xenophons Lobschrift auf Kyros den Aelteren, die Kyrupädie. II. Die Verwendung der spätantiken biographischen Formen bei Philon von Alexandrien* 1. Bei der weitgehenden Hinneigung Phiions zum Hellenismus ist von vornherein anzunehmen, daß er auch die spätantiken biographischen Formen für seine Lebensbeschreibungen der jüdischen Patriarchen nachahmt und benützt. Im folgenden soll diese Abhängigkeit Phiions von den hellenistischen biographischen Vorbildern auf Grund genauer Untersuchung nachgewiesen werden. § 1. Leben des Abraham. Die Lebensbeschreibungen des Abraham, Isaak und Jakob sollten nach Phiions Absicht einen innerlich zusammenhängenden Zyklus bilden. Wenn auch leider die beiden letzten Biographien nicht mehr erhalten sind, geht dies doch noch aus der gemeinsamen Vorrede hervor. Nach einer kurzen historischen Skizze über die Urväter Enos, Enoch und Noah §§ 7—16; 17—26; 31—47 (eine Charakteristik in 31—39) faßt Philon die drei Patriarchen als die Sinnbilder der Tugend zusammen, die entweder durch Belehrung 1 Hilfsmittel für die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Patriarchenbiographien Phiions: Christ — Schmid — Stälilin, Geschichte der griechischen Literatur, II. Bd., 1. Hälfte, München, 1920, 6. Aufl., S. 625—656 (Philon von Alex.), bes. S. 639—641 (Leben des Abraham und Joseph), S. 645—646 (Leben des Moses) [Verfasser des Abschnittes über die jüdisch-hellenistische Literatur ist Stählin (Erlangen), der schon 1911 auf die Ergiebigkeit des von mir jetzt behandelten Themas hinwies]. Die Werke Phiions von Alexandrien, (in deutscher Uebersetzung) heraus^ gegeben von Leopold Cohn, I. Teil, Breslau 1909: I. Cohn übersetzte ״lieber Abraham“, S. 93—152, Leop. Cohn ,,Ueber Joseph“, S. 155—213, B. Badt ,,lieber das Leben Mosis“, S. 217—365. — Sehr wertvoll sind die Einleitungen zu den drei Viten, in denen die Uebersetzer sorgfältige Analysen und Dispositionen des Inhalts bieten, aus welchen die literarische Form der betreffenden Biographien wenigstens hinsichtlich des formalen Aufbaus ersichtlich wird. Monatsschrift, 73• Jahrgang• 10