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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 144

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 3
Article
Die literarische Form der Patriarchenbiographien des Philon von Alexandrien
Date
1929-01-01
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
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144 II. Das Schema der alexandrinisclien Gelehrten und des römischen Kaiserbiographen Sueton: A. Chronologisch erzählte Vorgeschichte. — B. Beschreibung der Hauptperiode des Lebens nach sachlichen Rubriken z. B. a) öffentliches Leben im Krieg und im Frieden, b) privates Leben (Charakter, Aeußeres, Studien, Schriften). — C. Tod. Beide Gattungen der Biographie sind trotz gänzlich andersartiger Form und Gliederung doch darin verwandt, daß sie den Helden streng wahrheitsgetreu nicht bloß nach seinen guten Eigenschäften, sondern auch in seinen Schwächen, Fehlern und Lastern schildern. Einen gewaltigen Unterschied hierzu bilden die Lob- Schriften oder Enkomien, die den Helden aufs höchste verherrlichen, einseitig bloß seine Tugenden und Vorzüge rühmend hervorheben und die Schattenseiten seines Wesens tendenziös verschweigen oder beschönigen. Auch hier können auf Grund der Gliederung des Stoffes mehrere Schemata aufgestellt werden: I. Die erzählende Lobschrift (Enkomion): Die Taten sind ähnlich wie bei der Biographie der Peripatetiker und des Plutarch zeitlich angeordnet, jedoch unter stärkster Betonung der darin sich zeigenden Tugenden; Beispiele hierfür sind die Lob- Schriften des Isokrates auf Euagoras und des Tacitus auf Agricola. II. Der rhetorische Panegyrikus. Hier ist nicht das Leben Hauptgegenstand, sondern das Charakterbild des vorbildlich vollkommenen Helden; dieses ist nach Tugendkategorien gegliedert, die durch Episoden belegt werden. III. Die zusammengesetzte Lobschrift, das durch einen rhetorischen Panegyrikus erweiterte und ergänzte Enkomion. Auf die chronologische Erzählung des Lebensverlaufes folgt als Anhang eine schulgerechte Charakteristik des Helden nach den Tugendkategorien. Die Patriarchenbiographien Phiions lassen sich ebensowenig wie die neupythagoreischen und neuplatonischen Philosophenviten oder die christlichen Heiligenlegenden durch jene rein formalen Einteilungsgrundsätze völlig erklären. Ausschlaggebend für den literarischen Charakter ist hier nur der inhaltliche Aufbau, der durch die Wundererzählungen sowie durch die erbaulichen, philosophischreligiösen Reden und Betrachtungen bestimmt wird. Hiernach sind zu unterscheiden: I. Die philosophisch-religiöse Belehr ungsbiographie. Die philosophisch-religiöse Aufklärung, die systematische Darstellung des Systems ist die Hauptsache; die Einzelzüge aus einem bestimmten Leben werden nicht um eines geschichtlichbiographischen Zweckes wällen erzählt; die Erzählung ist nur ein willkommener Einkleidungskunstgriff für die philosophisch-theologische Abhandlung, welcher die Anschaulichkeit erhöht und den sonst langweiligen Stoff packender gestaltet (vgl. Willi. Schmid, Der griechische Roman). II. Die volkstümliche Wundertäterlegende oder Aret alogie. Wunder, Reiseabenteuer, religiöse Predigten und Aussprübhe werden hier kunstlos aneinandergereiht. Solche Legenden verdienen kaum den Namen Biographien. Das

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