Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Studien zur Redaktion des babylonischen Talmuds
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 8)
- Language
- German
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138 in der letzten Amoräergeneration gelangt sein. Gegen diese An־׳ nähme scheinen jedoch der zweite Teil unserer Teilsuggia und eine Schlußbemerkung der Gesammtsuggia in Kethubot zu sprechen. Der zweite Teil in Kethubot beginnt רבה אמר לצולם בטובה ע״י עצמו ור״מ לוקה ומשלם אית ליה וכו׳. Rabba kommt damit auf die erste eingangs der Suggia aufgeworfene קושיא der Boraitha zurück, die früher im Namen R. Johanans mit בטובה ע״י אחר erklärt wurde, er nimmt also zum Kernpunkt der Suggia Stellung. Ebenso gehört die Schlußbemerkung א״ל רב פפא לאביי לרבה האפר חידוש הוא ובר zu unserer Suggia. Die Fortsetzungen in Kethubot sind also weder jüngerer Provenienz, noch gehören sie inhaltlich ausschließlich dorthin. All das spräche dafür, daß Kethubot die Primärquelle ist. Das ist aber aus den bereits genannten Gründen unmöglich; und es wäre obendrein nicht zu verstehen, warum B. K. die Fortsetzung nicht herübergenommen hat. Es bleibt also nichts übrig als folgende vermittelnde Annahme, für die auch der lose Zusammenhang zwischen unserer Suggia und deren Fortsetzungen in Kethubot spricht: Die Suggia ist in B. K. primär und wurde später nach Kethubot übertragen1. In dem Augenblick, als die Suggia in Kethubot gelernt wurde, empfing man die Fortsetzung aus irgend einer Quelle oder Schule2 und trug sie beim Lernen in Kethubot nach. In B. K. unterblieb der Nachtrag, obwohl die ganze Suggia hier zu Hause war, weil man sich im Augenblick nicht mit der Stelle beschäftigte. Die bisher besprochene Suggia bietet eine interessante Text- Variante, die das Flickwort אמרי betrifft. Das Wort, das als eine Art von Interpunktionszeichen gebraucht wird, um anzukündigen, daß jetzt eine Frage oder eine Antwort, auf die Rede die Gegenrede folgt, kann in dieser seiner Bedeutung als sehr alt, als Protokoll- Zeichen primärer Aufzeichnungen angesehen werden. Es kann aber auch jüngerer Provenienz, später hinzugefügt sein, um den Text durch eine Art Interpunktion klarer, deutlicher zu machen, ihn also gewissermaßen zu kommentieren. Unsere Suggia weist außer den Varianten3, die.wir auch sonst bei einer parallelen Suggia in beliebigen zwei Traktaten finden können, eine direkt in die Augen springende Abweichung auf: Baba Kama hat in der Suggia nicht weniger als sechsmal אמרי, während Kethubot keinmal אמרי liest. Ja noch mehr: Fast überall, wo B. K. אמרי hat, hat Kethubot genau den gleichen Text, nur das Wörtchen אמרי fehlt, als ob es mit Absicht in Kethubot gestrichen, oder in B. K. vorsätzlich hinzugefügt sei. Tatsächlich entspricht die Existenz des אמרי in B. K. ebenso dem Charakter dieses Traktates wie sein Fehlen in Kethubot der Eigenart jenes Traktates entspricht. 1 Dies nur für die Suggia als Ganzes, die bloße Erklärung Resch-Lakischs aber ist in Kethubot sicherlich alt. 2 Die Namen Raba und Abaje mit Rab Pappa in der hierher gehörenden Schlußbemerkung würde ״für Pumbadita sprechen. 3 Auf manche haben wir aufmerksam gemacht oben S. 182/3, Anm. 10—4.