Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der Judenbader zu Gaya
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 11)
- Language
- German
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, 129 das sub (v) befindliche Pulver, weilen das Aloe unter andern stark daraus vorgeschmecket, ist purgirend. Letzlich befinden sich unterschiedliche Stückei Pflaster und andere unnütze Sachen, welche alle verwüstet und zu keinem Gebrauch mehr nutzbar. Was aber in des Ung. Broder Judens Flaschel gewesen, weilen solches ganz leer, ist nichts zu eruiren." Brünn 15. 6. 1720. Carl Jos. Neuhauss Phil. u. Med. Dr., auch geschworener kaisl. mähr. Landschafts Physikus und senior. Ambrosius Valerian Haübt־ mann, Phil. u. Med. Dr.- Der mährische Landes־־Juden-Sollizitator Löbl Aron (= Löbl Sohn Aron)1 bringt am 3. August 1720 bei der Landeshauptmannschaft in Brünn ein Gesuch ein, in welchem er die Beschleunigung der Angelegenheit erbittet, zumal Josef Jonas nur ein Opfer des Denuncianten Nowatschek, des Christenbaders in Gaya. Atteste sind dem Gesuche abschriftlich beigelegt. Am 3. 8. erteilt die Landeshauptmannschaft dem Magistrat in Gaya den Auftrag, den Judenbader, falls ,,in inquisitione nichts criminelles hervorkommen sollte", gegen Caution aus dem Arreste zu entlassen. Am 17. 9. 1720 stellt Josef Jonas, jüdischer Bader in Gaya an die mähr. Landeshptmschaft in Brünn das Ansuchen ,,um gnädige Verordnung, womit die Inquisition gegen ihn schleunig fortgesetzt, und diesem nächst satsame Inquisitionsakten zu seiner Verantwortung, vollständig ihm communicirt werden mögen, sowie um Verleihung eines Protektoriales." Am 23. 9. 1720 faßt das Tribunale Brünn den. Beschluß: den Supplikanten zu bescheiden; daß dem Magistrate der kgl. Stadt Gaya verordnet wurde, was diesfalls billig ist. Gez. G. A. Kesseler2. Am gleichen Tage wird dem Stadtmagistrate von Gaya ver־• ordnet, ,,die Inquisition wider den Judenbader zu beschleunigen, zu terminiren, vermög des josefinischen peinlichen Halsgerichtsordnung zu verfahren und ihm wider die Billigkeit nicht zu beschweren." Am 17. Feber 1721 bringt Josef Jonas bei der Landeshaupt־ mannschaft in Brünn ein Ansuchen an: ,,um gnädige Verordnung., die Inquisition von Gaya weg und in Brünn commissionaliter vollzogen werde, ex Causis revelantibus." Beschluß: Dem Supplikanten der Bescheid zu erteilen:;,weil diese Sache das criminale concernire, als könnte die das kgl. Amt der Landeshptmsch. solches' anher nicht ziehen, sondern es stünde ihm Supplikanten frei, wann er sich diesfalls gravirt zu sein befinden würde, gehöriger Orten zu rekuriren. Im Uebrigen erginge an den Magistrat die Verordnung, daß selbter diese Sache möglichst be- 1 Ueber Juda Löb Stadien, 1681—1684 Rabbiner in Tobitschau, der seit 1690 als Judensoilicita^or genannt wird, Hausbesitzer, Rabbinatsassessor und Judenrichter in Raussnitz, vergl. Jahrb. der jüd. literar. Gesellschaft XVIII S. 41, 49 und S. 21 hebr. Abteilung, n 4. 2 Gerhard Anton Kessler v. Sonnenfels, deutscher Sekretär beim kgl. Amte der Landeshauptmannschaft, gest. am 22. 9. 1744 (Pfarre St. Jakob, Brunn). Monatssdirift, 73. Jahrgang. 9