Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der Judenbader zu Gaya
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
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121 und Götz, deren in dem hradischer Kreis, ,,grassieren sollenden gef ährliehen Krankheit• halber“ sich nicht vereinigen könnten. Am 24. II. 1720 berichtet Kreishauptmann Anton Graf von Rothai in Holleschau, daß die im hradischer Kreise grassierende Krankheiten nicht so gefährlich, wie angegeben wurde. Am 21. III. 1720 befiehlt ein Dekret Karls VI. den Stand der Krankheiten, von welchen Dr. Götz und der Herr Kreishauptmann berichten, bekannt zu geben; am 26. III. geht Bericht nach Wien. 25. III. 1720 wird vom Bürgermeister und Rat von Gaya, Protokoll und Bericht, betreffend den Judenbader, dem Kreishauptmanne zu Hradisch in Vorlage gebracht. ,,Examen über den jüdischen Baader allhier Josef Jonas benamset, in Sachen samb derselbe denen armen Christen statt Medicinen Kalch (= Kalk) Sand und Kreiden etc. verkaufen täte, wie auch ja imperitiam ant forte malitiam unterschiedliche schädliche Curen an denen Christen verübet hatte, und was denen mehr anhängig, so im Beihange unserer hierzu Deputirten und zu Ende Unterschriebenen, vorgenommen worden den 6. März 1720.“ . Interr. I um. Wie heißt du und wie alt bist du? R. Ich heiß Joseph Jonaus, Judenbader hier und bin gegen 40 Jahre. Interr. II dum. Was ist dein Gewerb, oder Nahrung und Handtirung? R. Weitere habe ich keine andere Handtirung als die Bader- Profession, die ich von meinem verstorbenen Vater, der hier viele Jahre auch Juden-Bader gewesen, erlernt habe1. Interr. III ium. Hast du nicht einem kranken Weib zu Scharditz im vorigen Jahre ein terra sigillata Zeltei zum Brauchen gegeben? R. Ich weiß nichts davon, das ist nicht wahr. Interr. IV tum. Wie willst du es leugnen, tuts ja der Christen- Bader Novatscheck wider dich anzeigen? R. Er redet es mir nach als mein Feind, es ist aber nicht wahr. Confrontation mit dem Christen Bader Tornas Novatschek2. ,,Schau Jud, wie kannst du es leugnen! Denn wie ich bin zu selbigem Weib berufen worden, hat sie mir expressi geklagt, daß du ihr gesagt hast, sie leide an Mutterschmerzen und hat von dem terra sigillata Zeltei das übrige Stückei gewiesen, sagend: Dieses hat der Jud mir zum Einnehmen und nichts anderes gegeben und zu mir gesagt: Diese Sache wäre eine kostbare Medicin, ich soll davon nicht viel, sondern nur klein Stückei einnehmen. Und dafür hatte sie dir müssen 9 Groschen zahlen. Wo ich doch bei diesem Weib kein Mutterschmerzen, sondern wohl ein schwerer Brust Cathar befunden, auch sie sodann curirt habe. Weiß ja davon der Scharditzer Bürgermeister und andere Geschworene, wie sie mir auch darüber dieses Attestatum erteilet haben.“ — Ferner da man den Christenbader befraget, ob.er 1 Seine Brüder David und Löb, Söhne des Jonatan Rofe, üben nicht den. Baderberuf aus, s. Pinax Gaya I, S. 158a und 164b, Jahr 1747 u. 1752. S. 55 wird auch Abraham, Bruder des Josef rofe genannt. Dahingegen übt Jzik rofe, der Schwiegersohn seines Bruders Amschel und Bruder des Josef rofe,. den Baderberuf aus; s. Pinax I, S. 85. 2 Novatzek, Thomas Ditrich, Bader in Gaya.