Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der Judenbader zu Gaya
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 2)
- Language
- German
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120 nit, also mein untertänigstes Bitten, diesen: boßhaften Juden [doch ohne mein vorgreifliches Maßgeben] abschaffen. zu lassen, da der Chirurg schlecht genug instruirt, viel weniger solche boßhafte Juden/' Am 15. Dezember 1719 wird dem hradischer Kreishauptmann Franz Anton Graf von Rothai1 der Auftrag erteilt, die Chirurgen und Bader des Kreises zum Dr. Corvin zu laden und dortselbst die Instruktionen wegen der herrschenden seuchenartigen Krankheit zu erteilen. ,,Nachdem es aber aus dem Schreiben des Dr. Götz auch hervorkommet, daß sich auch einige Juden von Gaya, Ung. Brod, Ostrau und anderen Orten mehr in die Medicin zu mischen und denen armen Leuten Kalk, Kreiden und Aschen vor Medicin zu verkaufen unterstunden etc., als wird der Herr diesfalls genau zu inquirieren, auf den angebrachten Befund die Täter, besonders den angezeigten Gayer Juden beim Kopf zu nehmen und sich ihrer zu versichern, auch das Weitere zur behörig Vorkehrung hierher zu relationiren haben.“ Am selben Tage wurde auch an Kaiser Karl2 von der gefährlichen Krankheit und der getroffenen Vorsorge berichtet. Am 16. I. 1720 erfließt ein kaiserliches Dekret des Inhaltes: ,,Wonach wir wissen wollen, was es mit denen Krankheiten im hradischer Kreise sich etwa weiteres anlassen möchte. Also befehlen wir hiemit gnädigst, daß ,,Uns“ der Verlauf dieser Krankheit mit allen denen Umständen von Zeit zu Zeit gehorsamsf berichten sollet.“ — Am. 19. I. 1720 w7ird der Kreishauptmann von der Landesstelle beauftragt, von acht zu acht Tagen genauen Bericht zu erstatten. Am 13. I. 1720 berichtet J.' E. Götz als Kreisphysicus und Adjunctus zu Ung. Hradisch der Landeshauptmannschaft zu Brünn über die gefährlichen Krankheiten und über die Mittel, mit welchen er diese bekämpft, legt auch eine Schachtel Medikamente bei, die dem jüdischen Bader in Gaya abgenommen wurden. Der Feldscher Johann Michael Götz in Ung. Brod, Bruder des Dr. J. E. Götz, behandelt auch diese Seuchen. — Am 5. II. und 8. II. 1720 berichtet der Kreisamtssubstitut Franz von Bojakovslcy Kunzov in Holleschau der Landeshauptmannschaft Brünn über die ansteckenden Krankheiten im hradischer Kreise. — Am 8. II. 1720 beschwert sich der Kreisphysikusadjunct Dr. Götz über die schlechte Behandlung, die ihm durch den Physikus Dr. Corvin zu teil ward und bittet um Abhilfe. Mit Dekret vom 9. II. 1720 wird dem Dr. Corvin verordnet, sich fürderhin gegen Dr. Götz ,,moderator und friedsamer aufzuführen“ und denselben als einen ,,Kreisphysicatsadjunkten tractiren“ und mithin sowohl in den Sanitätsfällen als sonst ein gutes Einvernehmen, Verständnis und Harmonie unterhalten solle. 12. II. 1720 teilt das königl. Amt der Landeshauptmannschaft dem Kreishauptmanne mit, daß es aus dem Berichte mit Mehreren ersehen, wie daß die zwei hradischer Doctores und Physici Corvin 1 Richtig .Rottal, s, Pribram A. F., Urkunden und Akten zur Gesch. d. Juden in Wien I, S. 234 u. 3, war von 1719—22 Kreishauptmann des Hradischer Kreises, 26. X. 1762 gestorben. 2 Karl VI.