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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 87

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 3
Article
Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns
Date
1929-01-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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87 wohnlichen, unmetaphysischen Sinn mit dem Recht auf Alleinherrschaft auftritt, wird alles, was nicht Denken ist, alles Fühlen, Empfinden, Wollen, alles Unbewußte vergewaltigt. Die Verengerung des Leibnizischen Rationalismus bringt zustande, daß alles, was nicht die Klarheit und Deutlichkeit des Denkens aufbringt, verworfen ist, und nur das verständige Denken Wert hat. Die Wolfsche Philosophie, so gesehen, ist strenger ,,Monismus des Gedankens“. Auf ihn schwören alle ״Gottschede“, die Sinnlichkeit, Farbe und alle Affekte verwerfen, weil sie unvernünftig sind. Zu Recht bleibt nur diese fatale ,,Vernünftigkeit“ und ״Verständigkeit“, für die die Kunst gegenüber der Wissenschaft eine gering zu schätzende Vorstufe ist, im besten Falle eine vorläufige, verworrene und undeutliehe Kenntnisnahme von Dingen, deren richtige Erfassung erst das Denken verbürgt. Der Idealmensch dieses Rationalismus ist aus einem Stück, alles und eines, weil außer dem einen alles andere verworfen ist. Die Abkehr von dieser Haltung und damit das Heraufkommen einer neuen Ansicht über Mensch und Bildung ist an Mendelssohns philosophische Schriften geknüpft. Hamann hat in Mendelssohn den verruchten Erzgeist der Abstraktion gesehen und gehaßt, einer Abstraktion, die den Menschen seziert, die menschlichen Tätigkeiten fein säuberlich voneinander trennt, jeder Tätigkeit seinen Sinn bestimmt und so die Einheit des Lebens' zerstört. Hier zeigen sich die Grenzen und Fehler, die Starrheit des Hamannschen Begriffs der Aufklärung: auf die strenge Ansicht Wolfs, die formal ebenso wie Leibniz* TJniversalismus mit der Hamannschen Anschauung Aehnlichkeit hat, trifft diese Charakteristik nicht zu. Sie sieht, wie angedeutet wurde, die Dinge und Gedanken in einer Ordnung und hervorgegangen aus einer ״Kraft“. Mendelssohn aber hat tatsächlich diese Abstraktion geübt, nur hat Hamann nicht gesehen, daß damit die Ablösung von der eigentlichen Aufklärung eingeleitet ist, und er hat weiter übersehen, daß diese Mendelssohnsche ״Abstraktion“ erst durch eine wahrere und voraussetzungslose ״Anschauung“ der Wirklichkeit möglich war. Mendelssohn hat sie nur üben können, nachdem er — in der Philosophie, die von Wolf herkam, gewiß als erster — die Mannigfaltigkeit des Lebens und ״Denkens“, die in verschiedene Richtungen auseinander geht, gesehen und empfunden hatte; die verschiedenen Bereiche menschlicher Verhaltungsweisen konnten von ihm nur deshalb abgegrenzt werden, weil er in seiner Eigenart bemerkt und anerkannt hatte, was vorher mißdeutet und verfälscht worden war. Dies ist der systematische Ort für Mendelssohns philosophische Bemühungen, wo sie selbständig werden. Eine große Reichhaltigkeit von Anregungen und Energien geht von hier aus, zusammengehalten und durch alle Schwankungen und Rückfälle bleibend in einer für die Aufklärung neuen Anschauung. In der Aesthetik, und dort wird sie zum erstenmal angewendet, bedeutet die Mendelssohnsche ״Abstraktion“, um diesen Hamannschen Ausdruck zu gebrauchen, den Beginn eines autonomen Kunst Verstehens. Der Leibnizsche Monismus der Methode und des Systems und nach ihm Wolf hatten die Kunst bagatellisiert, ihr ihren Ort zwischen dem

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