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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 84

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 3
Article
Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns
Date
1929-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 einer eingehenden Analyse der Mendelssohnschen Schriften gezeigt werden, wie sie hier im Rahmen eines Vortrages natürlich nicht getrieben werden kann. Eine Reihe glücklicher Funde, die die neue Mendelssohnausgabe bringen wird, frühe Entwürfe und Konzepte zu den ersten Arbeiten besonders, werden .diese Analyse erleichtern, von der erwartet werden kann, daß sie, wie ähnlich angelegte neuere Arbeiten über Mendelssohns Zeitgenossen, die bisher so Stiefkindmäßig behandelte Zeit der Aufklärung erhellen und die Mannigfaltigkeit ihrer Tendenzen deutlicher machen werden. Nach zwei Gesichtspunkten wird diese Analyse zu gehen haben. Sie wird erstens einmal die philosophischen Anschauungen festzustellen haben, das heißt für den typischen Mendelssohnschen Ton, der einem überall entgegentritt, die philosophische Position suchen, in der er begründet ist und aus der er herausgeht. Das wird nicht allein nötig sein, um Mendelssohns philosophische Gedanken selbst zu verstehen und die Fortführung der in ihr angeschlagenen Richtung zu bemerken — von einer kompakten Wirkung Mendelssohns auf Nachfolger kann wohl (mit der einen Ausnahme Eberhards) kaum die Rede sein, es geht ihm wie anderen mit ihm, Repräsentant einer Richtung zu sein, die nur als Ganzes in die Entwicklung des Geistes eingestellt werden kann. Aber als das Kernstück und das Bleibende seiner Leistung wird angesehen, daß er die jüdische Religion philosophisch dargestellt und bewiesen und so ihre Vereinbarkeit mit moderner Kultur gezeigt habe. Will man diese Leistung verstehen, so muß man die Philosophie kennen, die bei dieser Ineinssetzung ,,verwendet‘f worden ist. Und auf die Art des Zusammenhangs beider — der Philosophie und der jüdischen Religion —־ wird sich die Analyse zweitens zu richten haben. Hier selbstverständlich werden, wie ich schon sagte, von dieser Arbeit und deren Ergebnissen nur Andeutungen gebracht werden können, nicht viel mehr als ein Programm, und ich glaube, daß, da diese Beschränkung nun einmal notwendig ist, es sich empfehlen wird, auch nicht den Weg der Analyse selbst zu gehen, sondern einen anderen Weg, gleichsam von außen, zu nehmen. Es wurde schon angedeutet, daß unter den Zeitgenossen Mendelssohns sich einer anders als die anderen zu Mendelssohn gestellt hat. Dieser Mann ist Johann Georg Hamann, ein Jahr jünger als Mendelssohn und zwei Jahre später gestorben, bis aufs Jahr also fast ein Zeitgenosse, aber selbst wenn man von aller Verschiedenheit des Herkommens, der Erziehung und der Lebensstellung absieht, in der ganzen Denkart von Mendelssohn grundverschieden. Dieser Hamann ist, so scheint mir, der einzige, der, ganz von der anderen Seite her — und gewiß ist es so, vom Standpunkt des Gegners, aus leichter gewesen —, einen Blick in die Mannigfaltigkeit der Wesensgründe getan hat, die die allgemeine Meinung mit leichter Hand zusammenreimte und in der Einheit der Gesinnung sich ausgleichen ließ. So sollte es von ihm aus möglich sein, zur geistigen Gestalt Mendelssohns vorzudringen. Bis in das Jahr 1706, das ist also ein Jahr nach dessen literarischem Debüt, geht die Bekanntschaft Mendelssohns mit Hamann zurück. Vom Jahre 1760 ab, wo Mendelssohn in den Literaturbriefen die ,, Soldatischen Denkwürdigkeitenff

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