Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der jiddische Midrasch Wajoscha
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 605 (sequence 5)
- Language
- German
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605 unseres Textes, die Satzkonstruktion und der Wortschatz. Erwähnt seien nur Worte wie: kiesen (132), Verliesen (133), vergl. auch 2161; turren (10,177), laz (183), verwenden (193), beschließen(237), schmeichen (so ursprünglich 249), aufklammen (422), wesen (inf. 284) und minnen (485). Ueber den Verfasser gibt unser Text nur in ganz geringem Maße Aufschluß. Wir erfahren aus der ersten Strophe, daß er nicht gerade ein sorgenfreier Mann war; er muß also zu den armen Spielleuten gehört haben. Denn daß er ein Spielmann war, sagt schon die dritte Strophe, und außerdem erfahren wir dies aus den verschiedenen Spielmannsausdrücken, die hie und da Vorkommen, wie z. B.: ich wollt das ir gloubt mir 45, 299; das is war 78; für war ich eich die warheit sag 390; es is war lieh nit der logen [410. Ueber seinen Namen und seine Heimat läßt er uns vollständig im Unklaren, jedoch verraten außer dem Worte putter (335) folgende Reime Mittelfranken als seine Heimat: mir: her : mer 43; mer : hier : mir 295; großen : süßen 118; geliebt: geprüft 142. Der Inhalt unseres Gedichtes gliedert sich folgendermaßen: Einleitung 1—21; Abraham 22—35; Israel in Aegypten 36—42; am Meer 42—49; Uza will den Auszug aus Aegypten verhindern 50—63; Gott macht Michael zum Fürsprecher für Israel, der aber zaudert, daher wird Gott selber ihr Fürsprecher 64—84; Spaltung des Meeres und seine Gestalt 85—98; Israel weigert sich das Meer zu durchschreiten, Juda geht voran, Pharao will ihnen nachfolgen 99—112; Uza tritt ein für die Errettung Pharaos und der Aegypter 113—133;-;Gott läßt die Engel richten zwischen ihm und Uza 134—23ל; Gabriel ergreift das"Wort für Israel 274—294; Gott schlägt das Meer, versenkt Pharao, Israel singt 295—378; Moses erzählt von seiner Geburt, Erziehung, Heirat und von der Erscheinung Gottes im Dornbusch, wo er bestellt wird, Israels Erlöser zu werden. Pharao widerstrebt und wird bestraft 3 79—623; Schluß und Gebet 624—644. Aus dieser Inhaltsangabe ist sogleich zu ersehen, daß der jiddische Midrasch nichts enthält, was nicht im hebräischen Text vorhanden ist, er enthält aber keineswegs alles, was seine Quelle bietet, ja, er gibt nur einen ganz geringen Auszug. Er verfährt mit ihr in der üblichen Weise eines Spielmanns, indem er seinen Text so benutzt, wie es ihm gerade paßt, einige Stellen übergeht er nach Gutdünken, andere schmückt er aus und erweitert sie. Will er doch keinen Midrasch bieten, sondern ein Lied, das die Zuhörer anziehen soll. Er läßt daher den größten Teil des Midrasch fort und beschränkt sich auf einen Bruchteil, den er erweitert darbietet. Die ersten drei Kapitel berührt er kaum. Das erste, das in ausführlicher Weise die Opferung Isaacs beschreibt und für den Midrasch von großer Bedeutung ist, tut unser Spielmann mit einigen Worten ab und verweist mit den Worten: ,,vun im man noch heut sagt unJ singt“ (28) sicherlich auf die oben erwähnte ״akedas jizehok“. Das 4. und 5. Kapitel des Midrasch benützt und bearbeitet er, dann läßt er alles andere fort, da es seines Erachtens seinen Zuhörern nichts Interessantes bieten kann. ' Das Schlußgebet, das allerdings auch im hebräischen Text vorhanden ist, ist kaum diesem entnommen. Alle jiddischen Werke dieser Art schließen mit einem Gebet für die Erlösung und Ankunft des Messias, um damit ihrem Werke ein religiöses Gepräge zu verleihen.