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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 6 · p. Seite 588

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 6
Article
Studien zur Wiederaufnahme der Juden durch die deutschen Städte nach dem schwarzen Tode
Date
1928-01-01
Page
Seite 588 (sequence 13)
Language
German
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588 befriedigt werden, während die Stadt das Nachsehen hat. In Breslau soll der Erlös des verkauften Judengutes derart verteilt werden, daß die Einkünfte bis zu 400 Mark der Stadt zukommen, was darüber ist, soll der kaiserlichen Kasse zufließen1. In Frankfurt meldet sich sehr bald der Erzbischof von Mainz mit seinen Ansprüchen bei der Stadt. Am24. August 1358 vergleicht er sich mit der Stadt mit Wissen des Kaisers um 900 Pfund Heller und verzichtet auf seine sonstigen Ansprüche betreffs der Juden in Frankfurt für 7500 fl.2. Auch die Forderungen der Herren von Eppenstein wie die des Rudolf von Sachsenhausen befriedigt die Stadt 13593. Aber wohl nicht alle Städte sind in der Lage, den an sie gestellten Anforderungen zu genügen. Derartige Anforderungen müssen in Worms besonders hoch sein; von allen Seiten drängen die kleinen und die großen Machthaber. Schließlich weiß sich die Stadt nach Ansicht des Chronisten aus dem 16. Jahrhundert keinen, anderen Rat als den, wieder Juden in die Stadt zu lassen. Nachdem der Chronist die Reihe der Gläubiger mit ihren verschiedenen Forderungen aufzählt, fährt er fort: ,,welches vielleicht ein u r - sach mag •gewesen sein, das.z sie (nämlich die Juden) wieder angenommen sind worden, damit die Stadt die lehen nit entrichten dürft4. Müssen die einen die Juden wieder auf nehmen, weil sie nicht wissen, wie sie sonst ihre Gläubiger befriedigen sollen, so haben eile anderen sich durch Ablösen oder Abkaufen der Rechte auf Juden wohl derart in Unkosten gestürzt, daß sie sich nur durch einträgliehe Steuern der Neuaufgenommenen wieder erholen können. In Mainz und in Erfurt zahlt zwar die Stadt auch nach der Wiederaufnahme die Abgaben an den Erzbischof5. Dennoch bringen im allgemeinen wohl Steuern der neu aufgenommenen Juden genug ein, um die leeren Kassen der Städte zu füllen. Zuweilen ist es auch der Mangel an kapitalkräftigen Geldhändlem, der die Städte sehr bald nach der Katastrophe dazu veranlaßt, sich wieder nach Juden umzusehen. Vielfach hat man es zunächst mit den Kawertschen versucht, doch scheint man — wie das von Köln berichtet wird — nicht gerade sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht zu haben, beträgt doch der übliche Zinsfuß, den die Kawerfcsehen im 14. Jahrhundert nehmen, nach Roscher 60—70 Prozent6. Drei Gründe veranlassen also im wesentlichen die Städte zur Wiederaufnahme der Juden: einmal sind sie gezwungen, für das an die Gläubiger bezahlte Geld neue Geldquellen zu erschließen oder sie sind ohne Einnahme seitens der Juden nicht zur Auszahlung an ihre Gläubiger imstande, endlich wird auch die schlechte Lage des Geldmarktes, die durch das Ausscheiden des jüdischen Geldhändlers bedingt ist, die Stadt zur Wiederaufnahme gezwungen haben. 1 Werunsky, ibidem. 2 Kracauer, U.-B. z. Gesch. d. Juden in Frankfurt, Nr. 166. 3 Zeitschrift für d. Gesch. d. Juden in Deutschland, Bd. II, S. 162 ff. 4 Zorn, Wormser Chronik, S. 139. 5 Geschichtsquellen d. Prov. Sachsen, Bd. 24, Nr. 327, 350, ferner ■Schaab, Dipl. Gesch. der Juden z. Mainz, S. 98 ff. 6 W. Roscher, Grundlagen d. Nationalökonomie, 25. Aufl., 1918, S.,567.

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