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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 6 · p. Seite 578

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 6
Article
Studien zur Wiederaufnahme der Juden durch die deutschen Städte nach dem schwarzen Tode
Date
1928-01-01
Page
Seite 578 (sequence 3)
Language
German
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578 Eine kurze chronologische Zusammenstellung, die sich zumeist auf Graetz, Hoeniger, Stobbe, Salfeld und Caro stützt, vermag die Situation am besten zu beleuchten. Bereits im September 1348 legen die Juden am Genfer See, von Folterqualen gemartert, das Geständnis der Brunnenvergiftung ab; im gleichen Monat beschließt der Züricher Rat, niemals wieder Juden aufzunehmen. Im Növember 1348 folgen dann die Judenbrände von Stuttgart und Augsbürg, im Dezember die von Landsberg am Lech, Memmingen, Lindau und Eßlingen. In das darauf folgende Jahr fällt die Zerstörung fast aller übrigen Judengemeinden Deutschlands. Im Januar 1349 werden die Gemeinden Basel, Speyer, Freiburg und Ulm vernichtet. Im Februar folgen Straßburg, Schaffhausen, St. Gallen, Gotha, Eisenach, Arnstadt, Ilmenau, Frankenhausen und Dresden. Aus Worms und Konstanz werden die Juden im März 1349 vertrieben; am 24. Juli erreicht das Verhängnis die Kölner Juden, am 24. August müssen die Juden von Frankfurt/Main und Mainz das Schicksal ihrer Glaubensgenossen teilen. Am 6. Dezember endlich verzeichnet Nürnberg einen Judenbrand. Auch im Osten und Norden entrinnen die Juden ihrem Schicksal nicht, wenn auch die Ausschreitungen hier nicht immer jenen Grad der Barbarei erreicht haben, wie am Rhein und an der Donau. Zwar tritt in Schlesien die Pest selbst erst nach 1360 auf; dennoch weiß das Jahr 1349 von einer Judenschlacht zu berichten. Sie scheint von den Geißlerscharen verschuldet zu sein, deren Auftreten im Jahre 1349 für Breslau erwiesen ist1. Auch andere schlesische Städte, wie Görlitz, Brieg und Guhrau, wissen von einer Judenverfolgung im Jahre 1349 zu berichten. Selbst im Norden Deutschlands, wo nur vereinzelt einige kaum in geschlossenen Gemeinden organisierte Juden wohnen, findet das Märchen von der Brunnen Vergiftung seine Gläubigen, und die in den Hansastädten: Wismar, Lübeck, Rostock, Stralsund und Greifswald wohnenden Juden werden gleichfalls Opfer des Aberglaubens. Ein Schreiben des Rates zu Lübeck an den Herzog Otto von Braunschweig-Lüneburg spricht deutlich von der Gefahr, die der Christenheit von seiten der Juden drohe; es berichtet ferner über die mannigfachen Geständnisse, die die Juden in dieser Angelegenheit abgelegt haben, und schließt mit der Befürchtung, daß das Sterben nicht aufhören würde, so lange die Juden unter dem Schutz eines Fürsten und Landesherrn ungehindert ihr schändliches Handwerk betreiben dürften3. II. So werden denn die Juden in allen deutschen Städten hingemordet oder aus ihnen vertrieben. Ihre Häuser fallen zumeist den Flammen - 1 Vergl. hierzu Hoeniger, S. 34, Anm. 2; M. Brann, Gesell, d. Juden in Schlesien, S. 50; Oelsner, Urk. zur Gesch. d. Jud. in Schlesien im k. k. Archiv f. österr. Geschichtsquellen, Bd. 31, 1, S. 108. Hoeniger weist auf Grund von sorgsam zusammengetragenem Urkundenmaterial dar auf hin: ,,wenn man überhaupt derartige von Ort zu Ort schreitende historische Vorgänge, die einen längeren Zeitraum ausfüllen und sich auf ihren Wegen wiederholentlich kreuzen, generalisierend datieren darf‘6, so gglte für Deutschland wenigstens die Reihenfolge: ,,Judenmord, Geißelfahrt, Pest“ (S. 5). 2 S. Carlebach, Gesch. d. Juden in Lübeclc u. Moisling, Lübeck 1898, S. 2 ff., L. Donath, Gesch. d. Juden in Mecklenburg, Leipzig 1874, S. 5 ff.

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