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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 6 · p. Seite 577

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 6
Article
Studien zur Wiederaufnahme der Juden durch die deutschen Städte nach dem schwarzen Tode
Date
1928-01-01
Page
Seite 577 (sequence 2)
Language
German
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577 einmal durch das vorhandene Urkundenmaterial gegeben, sodann durch das Bestreben, nur die Städte heranzuziehen, in denen sich noch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wieder eine fest organisierte jüdische Gemeinde gebildet hat. Deshalb ist der Norden ganz fortgefallen; denn, obwohl hier und da einzelne Juden in seinen Städten auch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts anzutreffen sind, hören wir nirgends von einer größeren ansässigen Gemeinde. Unter den neu erstandenen Gemeinden aber ist die Wahl meist so getroffen, daß möglichst die verschiedenen Provinzen des deutschen Reiches berücksichtigt sind. Noch ein kurzes Wort sei über das Quellenmaterial gesagt. Für einzelne der hier behandelten Städte liegen direkte Aufnahmeurkunden vor, denen wir einen Aufschluß über den genauen Termin oder die einzelnen Bedingungen der Wiederaufnahme entnehmen können. Wo diese aber fehlen, müssen indirekte Quellen helfen. Aufzählungen in Rechen- und Bürgerbüchern, Steuerlisten und Schenkungsurkunden können ebenso eine Andeutung auf Wiederansiedlung von Juden geben, wie der Grabstein eines um die betreffende Zeit gestorbenen jüdischen Einwohners. ‘ Die Judenschlacht des Jahres 1348 bildet ein besonderes Glied in der Kette mittelalterlicher Judenverfolgungen, sowohl was ihre Intensität, als auch was ihre örtliche Verbreitung betrifft. Die von der verheerenden Pest gepeinigten Gemüter klammern sich voller Verzweiflung an das Märchen von der Brunnenvergiftung durch die Juden; Tod und Vertreibung der Juden erscheint als eine unbedingt notwendige Präventivmaßregel, ein letzter Versuch, dem Verderben zu entgehen. In Süddeutschland beginnend, pflanzt sich das Judenmorden durch alle deutschen Lande fort, und innerhalb von ungefähr zwei Jahren sind in ganz Deutschland blühende Gemeinden zu Trümmerhaufen geworden. Es gibt kaum eine deutsche Stadt, die nicht eine Judenverfolgung oder einen Judenbrand zu verzeichnen hätte. In vielen Gemeinden warten die Juden das Eindringen des Pöbels in ihre Quartiere gar nicht erst ab, sondern suchen den Tod in den Flammen, die sie über ihren Häusern entzünden. In Frankfurt, Mainz, Worms, Köln und vielen anderen Orten finden derartige Judenbrände statt, denen dann ganze Stadtteile, darunter auch Häuser der christlichen Bevölkerung zum Opfer fallen. Wo etwa die städtische Obrigkeit versucht, die Juden vor der Wut des Pöbels zu schützen, handelt es sich für die Juden meist nur um einen kleinen Aufschub; auch dort kann das Verderben nicht ferngehalten werden. Ja, das Beispiel der Städte Straßburg, Basel und Köln, in denen sich der städtisch-patrizische Rat schützend hinter die Juden stellt, zeigt deutlich, daß der Pöbel auch vor dem Rat keineswegs Halt macht. Welch unglaubliche Verwirrung von den Gemütern Besitz ergriffen hat, erhellt nur zu deutlich aus dem Verhalten des deutschen Ordens, in dessen Gebiet bereits seit 1343 keine Juden mehr wohnen durften. Weil keine Juden mehr da sind, die hingemordet werden können, macht man sich über die getauften Juden her1. ' 1 R. Hoeniger, Der Schwarze Tod in Deutschland, Berlin 1882, S. 7. Monatsschrift, 72. Jahrgang. ^7

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