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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 6 · p. Seite 575

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 6
Article
Die Gewebekrankheiten der Juden im 17. Jahrhundert
Date
1928-01-01
Page
Seite 575 (sequence 4)
Language
German
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575 verunreinigten Wollzeuges wird viel von diesem Staub eingeatmet, was ernste Schäden, wie heftigen Husten, Atembeschwerden und Magenstörungen zur Folge hat. Ich habe viele solche Opfer gekannt, bei denen es zu unheilbarem Siechtum gekommen ist, die selbst zu dieser Erkenntnis gelangt waren und ihren Beruf, als die Ursache ihres Verderbens, verwünscht haben. Ich halte nicht so sehr den Staub der alten Wolle für so verhängnisvoll als vielmehr die Verunreinigungen, welche von den darauf liegenden Personen herrühren. Bei uns ist es ja bei dem Tode eines Familienangehörigen üblich, daß, nachdem die Bräuche vollzogen wurden, Bettwäsche und Kleidungsstücke, welche während der Krankheit gebraucht wurden, den Wäscherinnen zum Waschen und Reinigen übergeben werden; auch der Jude wird herbeigerufen, der die wollenen Matratzen an einem sonnigen Ort gehörig ausklopft, daher ergeht es diesem Volke nicht besser als den Leichenbesorgern, da sie die Verwesungsstoffe in sich aufnehmen und dadurch an der Lunge geschädigt werden. Aus altem gebrauchten linnenen und hänfenen Zeug, nachdem es in Wasser erweicht, der Fäulnis ausgesetzt und zerstampft wurde, wird auf sinnige und bewundernswerte Weise Schreibpapier verfertigt, denn früher schrieb man auf Wachstäfelchen, Haute oder aus Aegypten stammenden Papyrus. Dieses auf Gewinn bedachte Volk pflegt die öffentlichen Abfälle zu sammeln, kauft unter Ausrufen in allen Gassen der Stadt alte Kleider um billigen Preis, und wenn sie eine große Masse beisammen haben, verkaufen sie dieselben den Papiererzeugern. Sind sie mit diesen Bündeln schwer belastet heinigekehrt, dann werden diese sorgfältig ausgebreitet, wollene oder seidene Lumpen werden ausgeschieden, weil sie zur Papierbereitung ungeeignet sind, obgleich wir in Museen auch aus chinesischer Seide hergestelltes Papier sehen können. Dann werden in ihren Behausungen gewaltige Haufen dieser schmutzigen Lumpen aufgetürmt. Unglaublieh sind die schrecklichen Ausdünstungen, wenn diese durcheinander gerührt werden, um sie in ungeheuere Säcke zu füllen, welche dann zu den Papierwerkstätten befördert werden. Auf diese Weise kommt es bei ihnen zu Husten, Kurzatmigkeit, Schwindel und Brechreiz. Kann man sich Ekelhafteres vorstellen, als den Schmutz, die Abfälle von Männern, Frauen und Tieren zu einem Haufen vereint zu sehen, und kann es etwas Erschütternderes geben, als diese Wesen die mit der Menschheit Armut und Elend beladenen Karren dahinschleppen zu selben. Nun wollen wir sehen, wie wir diesen von ihren Gewerben so schwer gefährdeten Menschen zu Hilfe eilen können. Ich kann den mit Nähen beschäftigten Männern und Frauen nichts Besseres raten, als daß sie Leibesübungen machen, schweißtreibende Mittel gebrauchen, die Stuhlverstopfung bekämpfen und die Krätze vermeiden. Die Frauen sollen auf mehrere Stunden am Tage den Nähtisch verlassen und sich erholen, schon deshalb, um nicht später mit gesch Wächtern Augenlicht ein elendes Dasein zu verbringen. (Nachdem Ramazzini den Frauen in eingehender Weise milde Ableitungsmittel empfohlen hat, fährt er fort:) Aderlaß habe ich weniger geeignet gefunden als Abführmittel;, auch sträuben sie sich dagegen, weil sie der festen Ueberzeugung

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