Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Gewebekrankheiten der Juden im 17. Jahrhundert
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 576 (sequence 5)
- Language
- German
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576 sind ■— und das kommt auch der Wahrheit nahe ■—, daß das Augenlicht durch nichts mehr gefährdet wird als durch Blutentziehung. Jedoch haben sie nichts dagegen, wenn das Glüheisen auf die Schenkel angewendet wird, um den unreinen Säften aus dem Körper einen Ausgang zu verschaffen. (Den Männern wird eine kräftigere Behandlung angeraten und sie werden ermahnt, Gesicht und Nasenlöcher zu verhüllen, um den Staub in die Körperhöhlen nicht eindringen zu lassen.) Indem ich dieses kaum beachtete Kapitel aus Ramazzinis der Vergessenheit entrissenem Buche ans Tageslicht ziehe, gebe ich meiner Meinung Ausdruck, daß man nicht nur der glänzenden Namen Einzelner und Gemeinschaften gedenken solle, die in Wissenschaft, Poesie, Kunst und im aufopferungsvollen Kampf für die Volks- und Glaubensgenossen sich Anerkennung und Ruhm erworben haben, sondern auch der Leistung der Geringfügigsten und Herabgesehensten nicht vergessen dürfe. Jener namenlosen Helden, die, auf die unterste Stufe der Gesellschaft hinabgestoßen, in niedrigster und schwerster Arbeit, mit Krankheiten und Gebrechen behaftet, tapfer bei ihrem Glauben ausharrten und, wenn auch von den ehrsamen Zünften ausgeschlossen, wirtschaftliche Werte erhielten und damit auch neue Reichtümer für andere schufen. Stadien zur Wiederaufnahme der Jaden durch die deutschen Städte nach dem schwarzen Tode. Ein Beitrag zur Geschichte der Judenpolitik der deutschen Städte im späten Mittelalter. Von Ellen Littm ann in Berlin. I. Die Geschichte der großen Judenverfolgung in Deutschland während der Jahre 1348—50 ist im einzelnen von Caro, Graetz״ Hoeniger, Stobbe und vielen anderen eingehend behandelt worden;; auch sind die tieferen Motive, die ihr zugrunde liegen, mehrfach״ besonders von Caro, erörtert worden. Es fehlt auch in der Forschung; nicht der Hinweis darauf,'daß, trotz der ungeheuren Erbitterung״ die sich in der Katastrophe von 1348 widerspiegelt, die Juden recht bald wieder Aufnahme in den deutschen Städten finden. Hier und. da wird in den Arbeiten über die Geschichte der Juden in den deutsehen Städten auch auf die Bedingungen der Wiederaufnahme hingewiesen. Mit der hier vorliegenden Arbeit soll der bescheidene Versuch gemacht werden, eine systematische Zusammenfassung dieser Wiederaufnahmebedingungen und damit ein allgemeines Bild von der Judenpolitik der deutschen Städte im späten Mittelalter zu geben. Vollständigkeit, d. h. vollzählige Behandlung aller deutschen Städte־ kann im Rahmen dieser Arbeit nicht erwartet werden, es kann sich nur um eine Auswahl handeln. Das Prinzip der Auswahl aber ist