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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 6 · p. Seite 569

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 6
Article
Zur neueren Bibelliteratur [Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 569 (sequence 9)
Language
German
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569 angesehen worden. Gabriel kann die Glaubwürdigkeit der biblischen Berichte nachweisen, unter anderem damit, daß Cyrus nicht nur den Juden, sondern allen von den Babyloniern unterworfenen Völkern gleich wohlwollend entgegenkam. — Die Entstehung der Heimkehrerliste hat man sich so zu denken, daß gleich nach der Ankunft im Jahre 537 ein genaues Verzeichnis angelegt wurde, in dem die Namen der Rückkehrer, ihr Besitzstand an Tieren und ihre Gaben für den Tempel eingetragen wurden. So oft neue Heimkehrerscharen in Jerusalem anlangten, wurden ihre Namen und Gaben denen der früher zurückgekehrten angefügt. Mit der Vollendung des Tempels ist dann auch wohl die Liste abgeschlossen worden, die wahrscheinlich schon unter Cyrus angelegt worden war. Das A. T. enthält keine Angaben über den Monat, in dem die erste jüdische Karawane unter Zerubabel-Sassabasars Führung von Babylon aufbrach und schweigt auch über den Weg, den die zurückkehrenden Juden einschlugen. — Die Machtbefugnisse des neuen jüdischen Statthalters werden sicherlich im Rahmen des persischen Reiches unbedeutend gewesen sein, um so bedeutsamer mögen sie seinen Volksgenossen erschienen sein. — Gabriel schildert uns die schwierigen Anfänge des Tempelbaus, Zerubabels Plan einer Befestigung der Stadt Jerusalem und die Unterbrechung des Tempelbaus. Die Wiederaufnahme im 2. Jahre des Darius und die messianischen Erwartungen der Propheten Haggai und Zakaria werden besprochen, wir hören von dem Einschreiten des persischen Satrapen und von der Vollendung des Tempels. Da das A. T. uns im Dunkeln darüber läßt, wie lange Zerubabel nach der Tempeleinweihung noch lebte und wann er starb, wurde bei mehreren Gelehrten (Ewald, Sellin und Winckler) der Verdacht rege, der Chronist habe seine Leser absichtlich im Unklaren über Zerubabels Ende gelassen, weil es unrühmlich gewesen sei. (Kein Nachkomme Davids sei mehr Statthalter über Juda gewesen.) Gabriel zeigt, daß die Gründe, die für einen Aufstand der Juden unter Zerubabel sprechen sollen, abzulehnen sind. Auch für die Annahme, Zerubabel sei von seinem Posten abberufen und nach Babylon verbannt worden, lassen sich keine stichhaltigen Argumente Vorbringen. Am Schluß des Büches wird die Bedeutung Zerubabels für das spätere Judentum dargelegt, das in ihm einen Nationalheros sah und sein|Leben und seine ,Wirksamkeit legendarisch ausschmückte. Dar Vorzug der Arbsit Gabriels liegt darin, daß sie unter Anführung vieler geschichtlicher Quellen und unter Gegenüberstellung und Prüfung der oft auseinandergehenden Meinungen der modernen Forscher ein anschauliches Bild von der Wirksamkeit und Bedeutung Zerubabels entwirft. Auch die Ansichten der alten jüdischen Kommentatoren sind nicht gänzlich unbeachtet geblieben. Zu bemängeln ist allerdings, daß die Angaben der talmud.-midrasch. Literatur in unzulänglicher Weise aufgenommen worden sind oder vielfach aus sekundärer Quelle geschöpft zu sein scheinen. Auch die Stellenangaben bedürfen der Nachprüfung. Mit an hervorragender Stelle unter den neueren Arbeiten, die die Zeit des babylonischen Exils und die Aufrichtung des neuen Staates behandeln, steht der 3. Band der ,,Geschichte des Volkes Israels0 von Rudolf Kittel, 1. Hälfte, Stuttgart 1927. Sie verrät überall die umfassende Heranziehung

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