Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur neueren Bibelliteratur [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 567 (sequence 7)
- Language
- German
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567 Opfer auf ihm dargebracht wurden. Unter dem Obertitel ,,gehörnter Altar" bespricht der Verfasser den Stiftshüttenaltar, den Altar Salomos, Ezechiels und den nachexilischen Altar. Von Interesse sind auch die Ausführungen über den Altar, der geschichtlicher Erinnerung dienen soll, wie er Jos 22i0 ff. geschildert wird. Im Kapitel über den Weihrauchaltar geht W. ausführlich auf seine Beziehung zum Versöhnungstage ein, dessen vorexilische Feier für den Verfasser feststellt. Das Buch schildert am Schlüsse den alt jüdischen Weihrauchaltar nach den Ausgrabungen von Gezer u. a. Orten. Der Arbeit ist eine Tafel mit Altarabbildungen beigegeben. — Lobenswert bei der vorliegenden Untersuchung ist die Uebersichtlichkeit der herangezogenen Quellen zitate, die zudem immer ausführlich besprochen werden. Dabei ist es eine Eigentümlichkeit des Verfassers, die Probleme sehr breit angelegt zu behandeln. Daß dabei gelegentlich Feststellungen gemacht werden, für die eine eingehende, quellenmäßig zu belegende Untersuchung nicht angestellt wird, ist verständlich. Auffälliger ist es schon, wenn der Verfasser bei ganzen Teilfragen die angeführten Zitate mehr ausdeutet als sachlich bewertet. Dies geschieht z. B. bei der geschichtlichen Betrachtung des Versöhnungstages (vergl. die Ausführungen zu Ezechiel 40—48 S. 25 ff. und zu Nehem 8 ff. S. 28 f.). Man hätte gewünscht, daß W. die biblischen Stellen, die den Versöhnungstag nicht erwähnen (Exod 23, 34; Dt 16; Ez 4518; Neh 8 ff.), eingehender besprochen und die Folgerungen, die die quellentheoretische Betrachtung der Bibel daraus zieht, widerlegt hätte. Für die vorexil. Feier dieses Tages spricht aber hauptsächlich, daß man schwerlich erst während oder nach dem Exil ein Fest eingesetzt hat, dessen Dienst aufs engste mit der Lade verknüpft war, die sich nicht mehr vorfand, und das seinem ganzen Charakter nach (Lade, Sühnedeckel, Böcke und Azazel) nur aus dem Kulturleben des vorexil. Jerusalem zur verstehen ist (vergl. die ausgezeichnete Einleitung von Czerriowitz zu dem. Traktat J 0 m a in seinem קצור התלמוד Bd. I S. 168 f.). Für die Reform des jüdischen Ritus in der nachbabylonischen Zeit ist die Periode 'Ezras von überaus großer Bedeutung geworden. Diese Epoche hat schon seit alten Zeiten ihre Würdigung im talmud.־ midrasch. Schrifttum gefunden. Auch die bibelexegetische Arbeit des 19. Jahrhunderts hat mehrfach versucht auf diese für die spätere Entwicklung des Judentums so wichtige und doch dunkle Periode Licht zu verbreiten. Zu begrüßen ist es nun, daß Joh. Gabriel, angeregt durch zwei Arbeiten ausländischer Gelehrten (Batten Loring, W.: ,,A criticai and exegetical commentary on the books of Ezra and Nehemia", Edinbourgh 1913; Touzard, J.: ,,Les Juifs au temps de la periode persane" in Revue bibl. Internat. Paris XII, 1915), in seinem ״ZorobabeT‘, Ein Beitrag zur Ge־ schichte der Juden in der ersten Zeit nach dem Exil, Wien 1927, nochmals den Versuch macht, die Persönlichkeit Zerubabels und seine Wirksamkeit als Führer der nachexilischen Periode wissenschaftlich darzustellen. — Vorausgesetzt wird, daß unter dem im Ezrabuch genannten König Cyrus Cyrus der Große (558—529 v.) und unter dem in den Büchern Haggai, Zakaria und 'Ezra erwähnten König Darius Darius I. Hystaspis (521—485 v.) zu verstehen ist. Cyrus gab den nach Babel geführten Judäern die Erlaubnis zur Heimkehr nach Palästina und zum Wiederaufbau ihres Tempels (Ezra 1 ff.). Der Name des Führers bei der Rückkehr dieser Exulanten, Zerubabel, wird heute im allgemeinen für die hebraisierte Form des babylonischen Zeru־Babil ,,Sproß Babels"