Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 6 · p. Seite 564

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 6
Article
Zur neueren Bibelliteratur [Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 564 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829951-2829958-2835099--48682-2835145
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

564 der jetzt die Richterzeit umprägt, von dieser Hand stammt. Der Anteil cles Redaktors dagegen ist, im Gegensatz zu der üblichen Meinung, als ein minimaler anzusehen. Trotz seines durchaus auf Kritischer Grundlage aufgebauten Kommentars hat Eissfeldt an nicht wenigen Stellen dem System zuliebe seine Quellen- Scheidung durchzuführen ־versucht. Kap. 4 z. B. soll eine Jabin־ und Sisera- Geschichte nebeneinander enthalten, bzw. Fragmente einer Jabin-Erzählung sollen mit einer fast vollständig erhaltenen Sisera-Geschichte vereinigt sein. Der Redaktor habe dann den Sisera zum Heerführer des Jabin gemacht. Diese These ist u. a. von Jirku und Zapletal bestritten worden. So sicher es für eine wissenschaftliche Betrachtungsweise des alttestamentlichen Textes ist, daß verschiedene Quellen, die auch z. T. bestimmt werden können, in ihm zusammenlaufen, so sehr bedarf jede Benennung und Beurteilung einer Quelle eingehenderer Begründung vom Standpunkt einer lebenden Sprechweise des Hebräischen. V. 3 werden z. B. die ,,900 eisernen Wagen“ der Sisera-Erzählung zugewiesen, da V. 13 unter dem Aufgebot des Sisera ,,Wagen“ erwähnt werden, wenn hier auch die ,,900 eisernen Wagen“ als sekundärer Einsatz aus V. 3 zu streichen sein sollen. Die von 3S, 9 und 31315־ abweichende Folge: erst das Schreien der Israeliten und dann die Angabe über die Dauer der feindlichen Herrschaft soll von dem Redaktor geschaffen sein, der in den, im übrigen zur Jabin-Erzählung gehörenden V. 3 die ,,9.00 eisernen Wagen“ aus der Sisera-Erzählung eingeschoben hat. E. rechnet auch mit der Möglichkeit, daß auch ,,Und er bedrängte die Israeliten mit Macht 20 Jahre lang“ aus der Sisera-Geschichte stammt, und daß vor ,,Und es schrien die Israeliten zu Jhw“ eine ähnliche Angabe aus der Jabinerzählung gestanden hat. — Nun bedarf es für den, der im Zusammenhang des ganzen Kap. 4 diese ersten Verse liest, und für den das Hebräische mehr als eine tote Sprache ist, wirklich erst des Hinweises von E., um dieser Quellenscheidung folgen zu können. Es bedarf eines gründlicheren Nachweises dafür, daß z. B. die ,,900 Wagen“ aus der Sisera-Erzählung herzuleiten sind, und daß die von 38, 9 und 313-15 abweichende Folge von dem späteren Rdtr. geschaffen sein soll. Für die Analyse von V. 3 Anfang und Ende fehlt jede Begründung. Auch Casparis ״Samuelbücher“ Leipzig 1926 indem ,,K ommentar zum Alten Testament“, heransgeg. von Prof. D. Ernst Sellin, Bd. VII, sind vorwiegend der Untersuchung gewidmet, wie weit sich die Erzählungsgruppen dieser biblischen Bücher für eine geschichtswissenschaftliche Verwertung eignen. Darum stellt der Kommentator jedem einzelnen historischen Bericht eine ausführliche Einleitung voraus, die, auf einer großen Kenntnis aller Teile des A. T. fußend, die Eigentümlichkeiten des biblischen Erzählers und seines Berichtes hervorhebt. Reden und Aeußerungen auftretender Personen werden mit den verschiedenen Stilgattungen des A. T. verglichen. — Einleitend ergeht sich der Kommentator ausführlich über Titel und Umfang der Samuelbücher, und er gibt eine Altersübersicht der einzelnen zusammengehörenden Teile. Caspari stellt folgende Richtlinien für die Wiederherstellung des Textes zusammen: Die Abschrift einer alten Vorlage erleidet Verluste am Wortlaut, falls sich ein Wort in unmittelbarer Folge wiederholt oder mit dem gleichen Laut anhebt, mit dem das vorhergehende endet. Ein Wort fällt aus, wenn es in nicht zu großem Abstande wiederkehrt, oder wenn zwei Wortbilder sich sehr ähneln. Die Möglichkeiten der Zusätze sind mannigfaltig. Im allgemeinen aber ist der kürzeste bezeugte Wortlaut der beste. Zu diesen und anderen Ergebnissen kommt C. vermittels eines kritischen Apparates, dessen Zweck es ist, möglichst den ursprünglichen Text, frei von allen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.